In Haushalten mit mindestens einem Tag Arbeit in
der Woche von daheim aus liegt die Geburtenrate im
Schnitt um 14 Prozent höher als in solchen ohne
Homeoffice, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten
Studie des Münchner
Ifo-Instituts hervorgeht. Das würde bedeuten, dass
eine von drei Frauen über den Lebensverlauf ein Kind
mehr bekommt als Vergleichsgruppen ohne Heimarbeit.
Beruf und Familie besser vereinbar
„Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, ist der
Effekt am größten“, sagte Ifo-Forscher Mathias Dolls. „Das umfasst sowohl
die Zahl der bereits Geborenen als auch die der
geplanten Kinder.“ Dies könne ein Hinweis für eine
bessere Vereinbarkeit von Familie, Kinderbetreuung
und Beruf sein.
Besonders stark ist die Auswirkung demnach in den
USA: Wenn beide Partner mindestens einmal die Woche
im Homeoffice arbeiten, sind die Geburten pro Frau
um 18 Prozent höher. „Unsere Ergebnisse sprechen
dafür, dass ein breiterer Zugang zu Homeoffice die
Zahl der Kinder erhöht“, sagte Dolls.
Grund dafür sei vermutlich, dass dadurch der
zeitliche und organisatorische Aufwand sinkt, um
Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Mehr
Flexibilität durch Homeoffice könne dazu beitragen,
dass Paare ihren Kinderwunsch eher verwirklichen
können.
Homeoffice könnte Geburtenrückgang dämpfen
Die Studie legt sich nicht hundertprozentig fest,
ob die Arbeit im Heimbüro nun kausal die Ursache
vermehrter Geburten ist, oder ob es sich lediglich
um eine Korrelation handelt: Möglich wäre demnach
auch, dass Menschen, die Kinder haben oder bekommen
wollen, sich gern Jobs mit der Möglichkeit zur
Arbeit daheim suchen.
Doch neigen die Fachleute zu der Interpretation,
dass die Arbeit im Heimbüro durchaus ein kausaler
Faktor sein könnte: „Mehr Flexibilität durch
Homeoffice könnte dazu beitragen, dass Menschen ihre
gewünschte Familiengröße eher verwirklichen können“,
sagte Dolls.
Eine Anhebung der Homeoffice-Quote könne zu mehr
Geburten führen, das demografische Problem aber
nicht lösen: "Es kann aber ein Baustein sein, um den
Trend sinkender Geburtenraten etwas abzumildern“, so
Dolls.
Umfragedaten für 38 Länder
Grundlage der Ergebnisse sind Umfragedaten für 38
Länder aus der internationalen Studienreihe Global
Survey of Working Arrangements. Die Analyse
konzentriert sich auf Befragte im Alter von 20 bis
45 Jahren. Die Forschenden erfassten dabei den
Zusammenhang zwischen Homeoffice-Quoten und der
tatsächlichen Geburtenziffer zwischen 2023 und 2025,
dem Kinderwunsch sowie der Geburtenrate über den
gesamten Lebensverlauf. An den Umfragen nahmen über
100.000 Menschen teil, knapp 400 aus Österreich.