Die jüngste Debatte in Deutschland über die Sicherheit nationaler Goldreserven richtet den Blick auch auf die Schweiz. Ausgelöst wurde sie durch Forderungen des deutschen Magazins Spiegel, das in den USA gelagerte Gold der Bundesbank zurückzuholen. Hintergrund sind Zweifel an der Unantastbarkeit von Zentralbankvermögen, nachdem westliche Staaten erwogen hatten, eingefrorene russische Notenbankgelder für die Ukraine zu nutzen.
Während Deutschland noch diskutiert, ist die Lage in der Schweiz eindeutig. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verfügt seit Jahren über keinerlei Goldbestände mehr in den Vereinigten Staaten. Statt eine spektakuläre Rückholaktion zu starten, entschied sie sich Anfang der 2000er Jahre für einen radikalen Schritt: Zwischen 2000 und 2005 verkaufte sie über 1300 Tonnen Gold – darunter sämtliche Bestände, die in den USA lagerten. Der damalige Erlös belief sich auf rund 14,5 Milliarden Dollar. Aus heutiger Sicht wäre dieses Gold ein Vielfaches wert.
Nach weiteren Verkäufen hält die SNB heute noch rund 1.040 Tonnen Gold. Etwa 70 Prozent lagern in der Schweiz, der Rest verteilt sich auf die Bank of England und die Bank of Canada. Die USA spielen als Lagerort keine Rolle mehr. Damit ist die Schweiz von genau jenem Risiko befreit, das nun in Deutschland für Unruhe sorgt: der politischen und rechtlichen Unsicherheit fremder Gerichtsbarkeiten.
Die deutsche Bundesbank hingegen bewahrt weiterhin rund 37 Prozent ihrer Goldreserven – mehr als 1.200 Tonnen – bei der Federal Reserve in New York auf. Kritiker warnen, dies sei angesichts eines zunehmend unberechenbaren politischen Umfelds fahrlässig. Befürworter verweisen auf historische Gründe: Im Kalten Krieg sollte die geografische Streuung des Goldes die schnelle Konvertierung in harte Währungen ermöglichen und einen sowjetischen Zugriff verhindern.
Diese Argumentation verliert jedoch an Überzeugungskraft, seitdem das Vertrauen in die Unverletzlichkeit von Staatsvermögen Risse bekommen hat. Kommentatoren in Deutschland und der Schweiz stellen offen die Frage, ob Goldreserven im Ausland im Krisenfall tatsächlich sicher sind – insbesondere dann, wenn internationale Regeln situativ ausgelegt oder gebrochen werden.
Ironischerweise hatte die Schweiz 2014 die Möglichkeit, ihre Goldstrategie neu auszurichten. Eine Volksinitiative zur Stärkung des Goldanteils in den Nationalbankreserven wurde jedoch deutlich abgelehnt. Seither ist der Goldpreis massiv gestiegen, was die verbleibenden Bestände der SNB stark aufgewertet hat und heute hohe Ausschüttungen an Bund und Kantone ermöglicht.
Unabhängig davon zeigt die aktuelle Debatte vor allem eines: In der Frage, wo nationales Gold lagern soll, hat die Schweiz ihre Entscheidung längst getroffen. Während andere Länder noch über Rückholaktionen nachdenken, besitzt die Schweiz schon seit Jahren kein Gold mehr in den USA – und steht damit außerhalb eines geopolitischen Risikos, das nun erst richtig ins Bewusstsein rückt.
Auch so ist die Schweiz in mannigfaltiger Art mit den USA verflochten und die Möglichkeiten, auf Bern Druck auszuüben, sind auch so noch sehr groß.


