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DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu

40. Atomkraftwerke (AKWs) und die Folgen (Teil 1)

Der Atomschaden dieser Welt - und die Regierungen nehmen's mit Gelassenhei - bis ein Tsunami auf Fukushima trifft

Atomkraftwerk (AKW) Gösgen mit den
                          Botschaften, die die ETH und die Gesellschaft
                          für Atomenergie immer verschwiegen hat Atomkraftwerk (AKW) Gösgen [1] mit den Botschaften, die die ETH und die Gesellschaft für Atomenergie immer verschwiegen hat:

-- ein AKW kann explodieren, was schwersten Krebs und Missbildungen verursachen kann

-- ein perfekt funktionierendes AKW streut Leukämie (Blutkrebs),

-- und der Atommüll strahlt 1 Mio. Jahre lang und kann schwersten Krebs und Missbildungen verursachen.

Explosion des
                              Reaktors 3 des Atomkraftwerks von
                              Fukushima am 14.3.2011 (04)
Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011 (04) [6]


Video-Link: Die Atomkraft ist eine Falle für die Menschheit: http://www.youtube.com/watch?v=j6Nic4s_pPI

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Einleitung

Die Atomkraftwerke in der Landschaft - so sagen die "Wissenschaftler" der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, geben doch nur Wasserdampf ab, und ansonsten ist solch ein Dampfpilz "vollkommen ungefährlich". Dies war die Propaganda in den 1970-er und 1980-er Jahren. Gerüchten zufolge erhalten Gemeinden mit einem AKW sogar den Strom gratis. Die Meldungen von heute sehen aber anders aus, und da ist nichts gratis: Atomkraftwerke können explodieren, Atomkraftwerke sind Krebsproduzenten, und der Atommüll ist weiterhin nicht entsorgt, sondern nur "endgelagert", für 1 Million Jahre. Dies steht jeweils nicht in den Broschüren und auf den Webseiten mit dem Titel "Wie funktioniert ein Atomkraftwerk".

Was für eine Schweinerei hat da die Eidgenössische Technische Hochschule angerichtet? Und wer bezahlt eine Entschädigung? Bis heute niemand...

Michael Palomino, Dezember 2007

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Dr.Bruker: Atomstrahlung wandelt Zellen krankhaft um

aus: Dr. med. M.O. Bruker: Unsere Nahrung - unser Schicksal. emu-Verlags-GmbH, 56112 Lahnstein, Deutschland, 1986

Die Atomlobby-Theorie lautet, für jede Strahlung gäbe es Abhilfe, so wie es für jedes Gift ein Gegengift gibt. Die Atomstrahlung produziert physikalische Schäden in den Körpern von Lebewesen. Die Röntgenstrahlen verändern die Zellen dauerhaft (S.319). Die Zellen werden dauerhaft verändert (S.320), wobei auch schon kleine und kleinste chronisch wirkende Strahlendosen mutationswirksam sind, was "wissenschaftlich" anerkannt ist (S.321):

-- Blockierung der Fermentsysteme
-- Ionisierung des Zellwassers
-- Zerstörung der Ribonukleinsäuren

-- Bruch der Chromosomen
-- Auslösen von Leukämien und anderen Krebsarten, z.T. Auftreten neuer Krebsarten

-- Spätschäden, Verkürzung der Lebensdauer, Herabsetzen der Widerstandskraft gegen Infektionen (S.320).

Die Latenzzeit von Krebs kann Jahrzehnte betragen (S.320-321).

Keimzellen sind gegen Röntgenstrahlen besonders empfindlich. Somit wird die Erbmasse geschädigt (Chromosomen im Zellkern) und Dauerschäden in den nachfolgenden Generationen sind die Folge, "wissenschaftlich" als "Mutation" bezeichnet (S.321). Mit der Atomkraft sind nur Verschlechterungen der Gesundheit möglich (S.321), und die Atomspaltung für "friedliche Zwecke" ist somit nicht friedlich (S.321-322).

Radioaktivität überall
Radioaktive Stoffe werden z.T. einfach in Flüsse und Seen geleitet, z.B. in den Columbia-Fluss in den "USA",
-- im Plankton 2000 mal höhere Konzentration von Radioaktivität
-- in Flussfischen 150'000 mal höhere Konzentration von Radioaktivität
-- im Eigelb von Wasservögeln 1 Millionen mal höhere Konzentration von Radioaktivität als normal (S.322).

Die Speicherung der Radioaktivität findet vor allem in den Fortpflanzungsorganen statt und erhöht die Empfindlichkeit gegen alle Strahlen. Die Auswirkungen sind nicht absehbar (S.322). Die Radioaktivität bedeutet die Bedrohung der Grundexistenz der Menschheit überhaupt [und der Tiere und Pflanzen] (S.323).

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Mehr Leukämie in der Nähe von Atomkraftwerken

aus: n-tv online: Zufall oder Störfaktor? Leukämiefälle in Reaktornähe; Freitag, 7. Dezember 2007;
http://www.n-tv.de/890059.html

<Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" im Umfeld von Atomkraftwerken überdurchschnittlich viele Leukämiefälle bei Kleinkindern registriert. Der Untersuchung zufolge steige die Zahl krebskranker Kinder, je näher ihr Wohnort an einem der 16 deutschen Reaktorstandorte liege, schreibt die Zeitung. Diese Korrelation sei statistisch signifikant, medizinisch und strahlenbiologisch aber nicht zu erklären. Zufall oder Störfaktoren könnten als Erklärung nicht endgültig ausgeschlossen werden.
 
Forscher des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz hätten in der Studie festgestellt, dass im Fünf-Kilometer-Umkreis der Reaktoren zwischen 1980 und 2003 insgesamt 37 Kinder neu an Leukämie (Blutkrebs) erkrankt sind. Im statistischen Durchschnitt wären in diesem Untersuchungszeitraum lediglich 17 Fälle zu erwarten gewesen. Bei der Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Leukämie und Kernkraftwerken sind verschiedene Studien in der Vergangenheit zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen gelangt.
 
Die Mainzer Wissenschaftler hatten laut "Süddeutsche" dem Deutschen Kinderkrebsregister sämtliche Fälle von Kindern unter fünf Jahren entnommen, die zwischen 1980 und 2003 an Krebs erkrankt sind und in der Nähe von Reaktoren aufgewachsen waren. Bis auf 25 Meter genau bestimmten sie deren Wohnort. Den 1592 krebserkrankten Kindern stellten die Forscher 4735 gesunde Kinder gegenüber, die zur selben Zeit in derselben Gegend aufgewachsen waren. Je näher die Kinder am Reaktor aufgewachsen waren, desto höher lag demnach ihr Risiko, an Krebs zu erkranken - und umgekehrt.
 
Die Strahlenmenge in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken reiche aus Sicht von Ärzten allerdings bei weitem nicht aus, um vermehrte Krebserkrankungen auszulösen, berichtet die "Süddeutsche" weiter. Die Studie liefere keine kausale Erklärung für zusätzliche Erkrankungen - andere plausible Erklärungen hätten jedoch auch nicht gefunden werden können. Ob Störfaktoren, Selektion oder Zufall bei dem beobachteten Abstandstrend eine Rolle spielten, "kann mit dieser Studie nicht abschliessend geklärt werden", zitiert die Zeitung aus der Untersuchung.>

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20 minuten online, Logo

<Spanisches Atomkraftwerk strahlt>

aus: 20 minuten online, 6. April 2008; http://www.20min.ch/news/ausland/story/29826611

<In der Umgebung des spanischen Atomkraftwerks Asco ist nach Greenpeace-Angaben Radioaktivität festgestellt worden.

Radioaktivität von mehr als fünf Curie sei auf Dächern, Zäunen und anderen Oberflächen nahe dem Kernkraftwerk am Ebro gemessen worden. Vermutlich habe ein Zwischenfall mit Kühlflüssigkeit vor einigen Monaten ein radioaktives Leck verursacht, das nicht ordnungsgemäss beseitigt worden sei, erklärte Greenpeace-Sprecher Mario Rodriguez. Vom Betreiber des Kernkraftwerks im Nordosten des Landes lag zunächst keine Stellungnahme vor. Der Ebro ist einer der grössten und wichtigsten Flüsse Spaniens.

Quelle: AP>

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Spiegel online, Logo

4.9.2009: <Krebsfälle an AKW: Studie sieht erhöhtes Leukämierisiko für Kinder

Atomkraftwerk Unterweser (Juli 2007): "Strahlenschutz für die Bürger verbessern"

Ist das Wohnen in der Nähe eines Atomkraftwerks besonders für Kinder gesundheitsschädlich? Der Verdacht steht seit Jahren im Raum, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Eine neue Studie liefert nun neue Indizien - aber noch immer keinen letztgültigen Beweis.

Berlin - Im Bundestagswahlkampf wird derzeit darüber gestritten, wie es mit dem Atomausstieg in Deutschland weitergehen soll. Die Bundestagsfraktion der Grünen hat jetzt - wohl auch als Argumentationshilfe in den entscheidenden Wochen vor der Abstimmung - beim Epidemiologen Eberhard Greiser ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, mit dem die Gesundheitsgefahren durch Atommeiler belegt werden sollen. Und diese Metastudie kommt in der Tat zu dem Ergebnis, dass Gesundheitsgefahren für junge Menschen bestehen.

Im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um Atommeiler sei das Leukämierisiko bei Kindern unter fünf Jahren um 19 Prozent, unter 15 Jahren um 13 Prozent erhöht, berichtete Greiser am Freitag. Die Aussagen zu den Krebsgefahren seien bei Kindern bis 14 Jahren am sichersten, weil für diese Altersgruppe die Zahl der einbezogenen Atommeiler der fünf Länder am größten ist. So wurden in der Nähe von insgesamt 80 Kernkraftwerken 3742 Kinder unter 15 Jahren mit Leukämie festgestellt. Darunter waren allein 2096 im Kleinkindalter von bis vier Jahren.

Auch bei älteren Kindern und Jugendlichen wurde die Blutkrankheit erfasst. Greiser räumte allerdings ein, dass mit schwindender Zahl der hierbei einbezogenen Kraftwerke der Zusammenhang von Radioaktivität und Krankheiten unsicherer werde. Von einem letztgültigen Beweis will der Forscher allerdings nicht sprechen: Aufgrund der Vielzahl von Risikofaktoren könne man keine direkte Kausalbeziehung zwischen Krebserkrankungen und Atomkraftnutzung herstellen.

Grüne und atomkritische Ärzte forderten angesichts des neuen Gutachtens, endlich den Strahlenschutz für Bürger zu verbessern. Dies war bisher immer abgelehnt worden, obwohl schon Ende 2007 eine Studie des Kinderkrebsregisters in Mainz für Kinder unter fünf Jahren veröffentlicht worden war. Sie hatte eine erhöhte Krebsgefahr für Kleinkinder in der Umgebung von Atomkraftwerken gezeigt. "Die Studie stellt den entscheidenden Fortschritt bei der Beantwortung der seit etwa 30 Jahren diskutierten Frage nach gesundheitlichen Effekten in der Umgebung von Reaktoren dar", erklärte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) damals.

Dennoch gingen die Ergebnisse im Streit der Fachleute zunächst unter. Die Strahlenschutzkommission (SSK) bestätigte das Ergebnis - ohne allerdings eine Erklärung für die Ursache liefern zu können. Das Bundesumweltministerium sah daraufhin keinen Anlass, in der Umgebung der deutschen Atomkraftwerke neue Strahlenschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Die atomkritische Ärztegruppe IPPNW forderte ebenfalls vom Bundestag, den Strahlenschutz in Deutschland zu verbessern. Auf ihrer Web-Seite ruft die Organisation dazu auf, eine entsprechende elektronische Petition an den Bundestag zu unterzeichnen.

chs/dpa/AP>


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20 minuten online, Logo
21.9.2009: Die Abfall-Mafia entsorgt Giftmüll und Atommüll im Mittelmeer und in anderen Meeren

aus: 20 minuten online: Den Staat kümmerts nicht: Mittelmeer als Endlager für radioaktive Abfälle? 21.9.2009;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/31649945

Jahrelang hat ihn kaum einer ernst genommen, aber jetzt haben sich die schlimmsten Befürchtungen des Umweltschützers Sebastiano Venneris bestätigt: Die Mafia nutzt das Mittelmeer offenbar schon seit Jahrzehnten als Deponie für giftige Abfälle, auch radioaktive.

Sebastiano Venneri mit Mikrophon
Sebastiano Venneri mit Mikrophon [2]

28 Kilometer vor der Küste entdeckte die Staatsanwaltschaft von Paola in Kalabrien das Wrack der «Cunsky». Ihre Ladung: 120 Behälter voller Atommüll. Nach Aussagen eines geständigen Mittäters hatten die Mafiosi das Schiff in den 90er-Jahren dort versenkt.

Es ist wohl nur der Beginn einer Enthüllungsstory, die sich bereits wie ein Fass ohne Boden ausnimmt. Unter den Wogen des Mittelmeers lagert jede Menge Gift, mindestens seit 1992 und ohne jede Überwachung.

Venneri ist Vize-Chef der Umweltorganisation Legambiente, die schon seit 1994 versucht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Mafia-Praktiken mit den toxischen Abfällen zu lenken.

Noch viele andere Fälle

Es bedurfte jedoch der Aussage eines reumütigen Verbrechers, bis die Ermittler Anfang September ihren erschreckenden Fund in 500 Meter Tiefe machten. Mittlerweile geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass es noch mindestens 32 weitere Fälle gibt.

«Es war im Januar, ungefähr halb acht Uhr abends», erinnerte sich der ehemalige Angehörige der kalabresischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta, als er 2006 vor der Mailänder Staatsanwaltschaft sein Geständnis zur Versenkung der «Cunsky» zu Protokoll gab.

«Wir hatten Sprengkapseln dabei», fuhr er fort, und schilderte dann, wie die Organisation den Frachter zum Sinken brachte. Der Sprengstoff sei aus den Niederlanden gekommen, der Atommüll sei norwegischen Ursprungs gewesen, fügte er noch hinzu.

Und dann verriet er den Ermittlern, wo genau sie die «Cunsky» vor der Küste Kalabriens suchen müssten. Mehr als drei Jahre später, am 12. September 2009, entdecken sie schliesslich das Wrack.

Atommüll nach Afrika

Doch der Mafia-Aussteiger war damit noch nicht am Ende seiner Enthüllungen angelangt. In der Woche nach dem Fund berichtete er der italienischen Presse von weiteren Aktivitäten des organisierten Verbrechens. So habe die 'Ndrangheta tausende Fässer mit radioaktivem Inhalt nach Afrika gebracht.

Unter den Augen der italienischen Armee seien diese im damals von Italien kontrollierten Hafen des somalischen Bosasso zum Verschwinden gebracht worden.

Auch als an der Nordküste Siziliens Atommüll aus dem 1995 gesunkenen Frachter «Koralin» gefunden wurden, schien das die italienischen Behörden nicht sonderlich zu interessieren. Das Justizministerium in Rom schloss damals die Akten.

Ein ehemaliger Staatsanwalt aus Kalabrien wirft dem Ministerium ausserdem vor, die Bereitstellung von 50 000 Euro für nähere Ermittlungen «ohne die geringste Erklärung» verweigert zu haben.

Gift in der Nahrungskette

Vielleicht sei der italienische Staat nur sorglos, sagt Umweltschützer Venneri dazu. «Man sollte aber auch die Möglichkeit nicht verkennen, dass die Affären unter den Teppich gekehrt werden sollten.»

Für die Badegäste des Mittelmeers besteht nach Venneris Aussage durch die giftigen und strahlenden Abfälle keine unmittelbare Gefahr. Anders sieht es jedoch mit der Tierwelt aus - und damit im weiteren Verlauf der Nahrungskette auch für Menschen. Wer Fisch aus dem Mittelmeer verspeise, der «riskiert es, giftige Stoffe auf dem Teller wiederzufinden», sagt Venneri.

(sda)>

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20 minuten online, Logo

Griechenland 12.10.2009: Die Regierung will mit Italien nach Atommüll im Mittelmeer suchen - und Giftmüll der Pharmaindustrie ist auch zu haben

aus: 20 minuten online: Verseuchtes Mittelmeer: Atommüll am Traumstrand; 12.10.2009;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Atommuell-am-Traumstrand-14043408

<Jetzt reagiert auch Griechenland im Mafia-Atommüll-Skandal: Die griechische Atombehörde hat Italien zur gemeinsamen Suche nach Gift-  und Atommüll-Wracks imMittelmeer aufgefordert. Die Strände im Westen Griechenlands seien von radioaktiven Abfällen verseucht.

Das
                Wrack des Frachters "Cunsky" vor Kalabriens
                Küste, vermutlich mit Gift- oder Atommüll beladen
Ein am 14. September 2009 veröffentlichtes Bild zeigt das Wrack des Frachters «Cunsky» [3], der sich etwa 20 Seemeilen vor Cetraro in einer Tiefe von rund 500 Metern befindet. Das vermutlich mit Giftmüll beladene Wrack des Frachters ist vor der kalabrischen Mittelmeerküste entdeckt worden.

«Es besteht die Notwendigkeit einer gemeinsamen Suche nach radioaktivem Material», sagte der Chef der Behörde für Atomenergie, Christos Chousiadis. Im September hatten italienische Ermittler das Wrack eines vermutlich mit Gift- oder Atommüll beladenen Frachters vor der kalabrischen Küste entdeckt. Der ermittelnde Staatsanwalt von Paola, Bruno Giordano, ging seinerzeit von weit mehr als 30 solchen Giftwracks im Mittelmeer aus.

Ein reumütiges Mitglied der kalabrischen Mafia «'Ndrangheta» namens Francesco Fonti hatte die Ermittler auf die Spur des gefährlichen Schiffes gebracht. Der Mafioso hatte vom Frachter «Cunsky» berichtet, der mit 120 Fässern Atommüll beladen gewesen und 1993 mit seiner Hilfe versenkt worden sei.

Die «Cunsky» war mit anderen drei Frachtern in den Jahren 1988 und 1989 von der italienischen Regierung eingesetzt worden sein, um radioaktiven Müll aus dem Libanon zu entsorgen. Offiziell war sie im Januar 1992 verschrottet worden.

Giftmüll am Traumstrand

Laut Fonti wurde in griechischen Gewässern auf ähnliche Weise Giftmüll vor allem der Pharma-Industrie versenkt. Die Firmen sollen der Mafia zwischen 1,5 und 15 Millionen Euro pro versenktes Schiff gezahlt haben.

«Griechenland muss über alle möglichen Fundstellen von Giftwracks informiert werden», forderte Chousiadis. Die italienische Umweltorganisation Legambiente hatte von sieben Giftschiffen in unmittelbarer Nähe der griechischen Inseln Paxos, Kefalonia und Zakynthos an der Westküste Griechenlands gesprochen.

Italien leitete inzwischen weitere Ermittlungen ein, um zunächst die bisher nicht einwandfrei geklärte Identität des Schiffes festzustellen.

(sda)>


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Spiegel online, Logo

13.10.2009: Frankreichs Atommüll in Sibirien unter freiem Himmel - Frankreich ohne Endlager

aus: spiegel online: Umstrittene Transporte: Frankreich lädt radioaktives Material in Sibirien ab

<Frankreich lagert nach Medienberichten grosse Mengen radioaktiver Substanzen in Sibirien ab. Es geht um hundert Tonnen Uran pro Jahr, die aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague stammen. Auch in der Mittelmeerregion beschäftigt Atommüll die Behörden.

Paris - Die Zeitung "Libération" und der Fernsehsender Arte haben brisante Transporte aufgedeckt, die in Frankreich derzeit für Diskussionen sorgen. Knapp 13 Prozent der französischen Atomabfälle, so die Recherchen, werden derzeit nach Russland geschafft. Konkret geht es um gut hundert Tonnen Uran pro Jahr. Sie stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague.

Die Transporte selbst sind unstrittig, ganz anders als die Bezeichnung des Materials: In Russland soll das Material erneut angereichert werden, darauf legt der französische Stromriese EDF besonderen Wert. "Es wird kein Atommüll von EDF nach Russland transportiert", sagte eine Firmensprecherin. Im Übrigen gehöre das Material gemäß der weltweiten Gepflogenheiten nicht mehr EDF, sondern dem russischen Unternehmen Tenex.

Die Journalisten halten dagegen, dass etwa 90 Prozent der Transporte aus Frankreich als stark abgereichertes Uran zurückbleiben. Nach ihren Informationen wird das schwach radioaktive Material im Atomzentrum Sewersk, früher Tomsk-7, in Containern unter freiem Himmel gelagert.

In Atomkraftwerken der kommenden Generation - die französischen Behörden gehen von einem Bau um das Jahr 2040 aus - soll das abgereicherte Uran als Brennstoff eingesetzt werden. Derzeit kann es jedoch nicht verwertet werden. Die Anti-Atombewegung fordert deswegen, abgereichertes Uran nicht mehr als Wertstoff, sondern als Atommüll einzustufen. Dann dürfte es allerdings nach der Baseler Konvention über den Export gefährlicher Abfälle nicht mehr nach Russland exportiert werden.

Frankreich hat wie Deutschland bislang kein Endlager für seinen Atommüll. Von den 1150 Tonnen gebrauchten Brennstoffes, die jährlich anfallen, werden 850 Tonnen im nordfranzösischen La Hague aufbereitet. Der Rest wird in Kühlbecken zwischengelagert.>

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Gronau (Deutschland) 24.1.2010: <Störfall im Münsterland [in der Urananreicherungsanlage der Urenco]: Uran im Urin>

aus: n-tv online; 24.1.2010; http://www.n-tv.de/politik/Uran-im-Urin-article694113.html

Der Tatort: In der Urananreicherungsanlage
                    Gronau im Münsterland in Deutschland wurde bei einem
                    Angestellten Uran im Urin nachgewiesen...
vergrössernDer Tatort: In der Urananreicherungsanlage Gronau im Münsterland in Deutschland [4] wurde bei einem Angestellten Uran im Urin nachgewiesen...

<Nach der Verstrahlung eines Arbeiters in der Uranfabrik in Gronau wissen die Ärzte noch nicht, ob mit Frühschäden zu rechnen ist. Umweltaktivisten sind der Auffassung, dass die nachgewiesenen Uran-Spuren auf eine "wesentlich schlimmere Kontamination" hindeuten. Der Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung wächst derweil.

Nach dem Störfall in Deutschlands einziger Uranfabrik in Gronau haben Mediziner Spuren von Uran im Urin eines radioaktiv verstrahlten Arbeiters nachgewiesen. Derzeit könne jedoch noch nicht gesagt werden, ob mit Frühschäden bei dem 45-Jährigen zu rechnen sei, sagte ein Sprecher des Universitätsklinikums in Münster. Erst am Montag könnten erste Aussagen dazu gemacht werden. Für eine langfristige Prognose sei es ohnehin zu früh.

Kontinuierlich würden weitere Proben von Blut, Speichel und Urin des Mannes zur Auswertung in das regionale Strahlenschutzzentrum nach Jülich geschickt. Dem Patienten, der seit dem Störfall am vergangenen Donnerstagnachmittag in der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Münster behandelt wird, gehe es weiterhin gut. Der Mann erhalte Infusionen und trinke viel, um die aufgenommenen Substanzen schneller auszuscheiden. Über seinen weiteren Aufenthalt in der Klinik wollen die Ärzte Anfang der Woche entscheiden.

Störfall im Münsterland

Die Urananreicherungsanlage der Urenco Deutschland GmbH in Gronau.

Der Arbeiter war bei dem Störfall in der Urananreicherungsanlage Gronau (UAG) laut Atomaufsicht durch freigesetztes Uranhexafluorid in noch unbekannter Menge an Armen und Beinen kontaminiert worden. Nach Angaben des behandelnden Arztes Professor Otmar Schober drohen bei einer Verstrahlung Schäden in Niere und Leber sowie in der Lunge durch Einatmen des Stoffes.

Schlimmer kontaminiert als zugegeben

Die nachgewiesenen Uran-Spuren deuteten auf eine "wesentlich schlimmere Kontamination" hin, als bisher zugegeben wurde, erklärte Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland. Die Staatsanwaltschaft müsse ermitteln, ob der Anlagenbetreiber Urenco seine Mitarbeiter angemessen geschützt habe.

Greenpeace verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass tödliche Risiken bei der Nutzung von Atomenergie nicht nur von Reaktoren, sondern von der gesamten Produktionskette ausgingen. In Gronau wird Uran zur Herstellung von Brennstäben für Atomkraftwerke angereichert. Aufschluss über die genaue Ursache des Zwischenfalls sollen Untersuchungen des TÜV bringen.

Die frühere nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) forderte eine "unabhängige Untersuchung" des Vorfalls. Es stelle sich die Frage, "ob Sicherheitsmaßnahmen nicht beachtet wurden", sagte Höhn dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Betreiber der Anlage hätten "immer wieder betont, dass die Urananreicherung absolut sicher sei". Höhn: "Mal wieder hat sich eine solche Behauptung in Luft aufgelöst."

Proteste gegen Atompolitik

Nach dem Zwischenfall wächst der Protest gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Regierung: An mehreren Orten mit Atomanlagen zogen am Wochenende hunderte Menschen auf die Straße. In Gronau demonstrierten Umweltschützer an der Uranfabrik für ein Festhalten am Atomausstieg. Aktivisten von Greenpeace projizierten den Schriftzug "Atomausstieg schützt!"

Nach Angaben des Bündnisses Münsterland gegen Atomanlagen demonstrierten Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände aus Nordrhein-Westfalen gegen neue Atommülltransporte. In Duisburg versammelten sich demnach etwa 200 Menschen vor der Atommüll-Konditionierungsanlage in Wanheim, in Jülich zogen 150 Menschen zum Haupttor des Forschungszentrums. Von dort sollen ab dem Frühjahr 152 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll in das Zwischenlager in Ahaus rollen.

Laufzeiten-Deal mit Energiekonzernen

Die Bundesregierung wies derweil Berichte zurück, nach denen die 17 deutschen Atommeiler vorerst alle am Netz bleiben sollen. Über die im Koalitionsvertrag vorgesehene Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken (AKW) sei auch bei der Sitzung mit Energieversorgern am Donnerstag keine Entscheidung gefallen, stellte ein Regierungssprecher klar.

Laut "Spiegel" sollen auch die alten Meiler Neckarwestheim 1 und Biblis A, die nach dem rot-grünen Atomkonsens bald abgeschaltet werden müssten, so lange weiterbetrieben werden, bis sich die schwarz-gelbe Regierung auf ein neues Energiekonzept verständigt habe. Dieses dürfe bis Oktober vorliegen. Um die Kraftwerke weiterlaufen zu lassen, sollen die Energiekonzerne laut "Spiegel" nicht verbrauchte Stromkontingente von anderen Anlagen auf Neckarwestheim und Biblis übertragen dürfen. Der Regierungssprecher verwies darauf, bereits nach geltendem Recht könnten Reststrommengen unter bestimmten Bedingungen übertragen werden, ohne dass es der Genehmigung der Bundesregierung bedürfe.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, sie wolle das Thema durch "Tricksen und Täuschen" verstecken. "Aber die schmutzigen Deals sind in Wahrheit alle schon gemacht: Die alten AKWs laufen weiter, die Atomlobby verdient Milliarden und ein paar hundert Millionen landen als Brosamen bei der Regierung". Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, erklärte zu dem "Spiegel"-Bericht, die Regierung mache sich "zum Handlager der Atomindustrie".

Nach einem Bericht des "Focus" streitet die Koalition um die Dauer der Laufzeitverlängerung: Während Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) diese auf acht Jahre begrenzen wolle, wolle Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auch die Varianten 15 bis 20 Jahre prüfen.

dpa/AFP>

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2.4.2010: Uranabbau in Niger: "Die Gesundheit von 80.000 Menschen ist bedroht"

aus: Spiegel online; 2.4.2010; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,686633,00.html

Der französische Staatskonzern Areva schürft seit Jahrzehnten in Niger Uran - und hat dabei offenbar lange die Gesundheitsrisiken für Arbeiter und die Bevölkerung in Minenstädten ignoriert. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht Greenpeace-Expertin Rianne Teule über die schmutzige Seite der Kernkraft.

SPIEGEL ONLINE: Frau Teule, Sie waren im November mit einem Greenpeace-Team in Niger, um die Auswirkungen des Uranbergbaus dort zu prüfen. Seit 40 Jahren schürft Areva in dem afrikanischen Land den Brennstoff für europäische Atomkraftwerke. Was haben Sie gefunden?

Teule: Es gibt in den Minenstädten Arlit und Akokan überall radioaktive Kontamination: in der Luft, im Wasser, in der Erde. Wir fanden eine hohe radioaktive Belastung in den Straßen von Akokan. Das bei der Uranförderung übriggebliebene Gestein liegt im Freien herum. Dadurch gelangt Radon in die Luft, das schon in geringen Konzentrationen Krebs verursachen kann. All das bedroht die Gesundheit der 80.000 Menschen, die dort leben.

SPIEGEL ONLINE: Welche Folgen kann denn eine solche radioaktive Belastung für die Menschen haben?

Teule: Typischerweise werden Fehlbildungen bei Neugeborenen, Leukämie, Krebs, und Atemwegserkrankungen mit Radioaktivität in Verbindung gebracht. Viele der Stoffe werden eingeatmet oder gegessen, sie wirken dann auch toxisch. Uran zum Beispiel ist ein Schwermetall, das die Nieren schädigt und in hohen Dosen zu Nierenversagen führt.

SPIEGEL ONLINE: Wie gelangt die Radioaktivität aus dem Uranerz in die Umwelt?

Teule: In den Minen wird sehr tief gegraben, bis unter den Grundwasserspiegel. Dadurch ist das Risiko hoch, dass Uranerz mit Wasser und Sauerstoff in Verbindung kommt und in das Wasser gelangt. Wir können allerdings nicht wissenschaftlich belegen, dass die Kontamination durch die Minen verursacht wurde. Aber die Wasserbelastung ist immer weiter gestiegen, seit die Minen aufgemacht haben.

SPIEGEL ONLINE: Areva kontert die Vorwürfe von Greenpeace mit dem Argument, die Belastung der Bevölkerung über das ganze Jahr entspreche der einer Röntgenaufnahme und liege unterhalb der Grenzwerte.

Teule: Eine solche Antwort haben wir erwartet. Aber sie stimmt nach unserer Überzeugung nicht. Beim Wasser liegen vier von fünf Proben über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation. Auch beim radioaktiven Gas Radon ist das bei zumindest einer Probe der Fall. Vor allem aber: Es kommt doch alles zusammen - Uran im Wasser, Radon in der Luft, radioaktives Gestein in den Straßen, möglicherweise auch verseuchtes Gemüse, verseuchte Milch. Das addiert sich zu einer ernsthaften Gesundheitsgefährdung für die Menschen in den Minenstädten. Areva hätte eigentlich die Verantwortung, die Bevölkerung vor allen negativen Folgen des Abbaus zu schützen.

SPIEGEL ONLINE: Sie werfen der Firma vor, das nicht getan zu haben.

Teule: Die Probleme sind Areva seit Jahren bekannt. Seit mehreren Jahren weiß der Konzern von belastetem Wasser und kontaminierten Straßen. Aber Areva hat unseres Erachtens nicht ausreichend darauf reagiert.

SPIEGEL ONLINE: Areva soll mehrfach versucht haben, kontaminiertes Material in den Städten zu identifizieren und systematisch wieder einzusammeln sowie radioaktives Material entfernt haben, das beim Straßenbau verwendet worden war.

Teule: Aber das Problem gibt es heute noch. Wir haben auch Altmetall aus der Mine gefunden, etwa eine Baggerschaufel voll mit radioaktivem Schlamm, die auf dem Altmetallmarkt von Arlit zum verkauf stand. Dabei sagt Areva, dass die Firma dieses Problem gelöst habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie effektiv überwacht der Staat in Niger die Minenfirmen?

Teule: Das soll eigentlich das Strahlenschutzzentrum übernehmen, die Fachleute inspizieren die Minen auch. Aber das Zentrum hat wenig Mitarbeiter, wenig Messgeräte und wenig Geld. Die Kontrolleure dort haben nicht einmal Geräte, mit denen man Radon messen kann und müssen sich auf die Messungen der Firma verlassen.

SPIEGEL ONLINE: Areva hat Sie eingeladen, die Minen zu besichtigen. Was haben Sie gesehen?

Teule: Die schiere Größe der Minen ist beeindruckend. Es sind gigantische Löcher in der Erde, hundert Meter tief, umgeben von Bergen von Abraum. Wenn der Fels weggesprengt wird, ziehen danach Staubwolken über das Land. Da kann man geradezu sehen, wie sich das Radon verteilt.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie Ihre Messungen gemacht?

Teule: Wir hatten Geigerzähler und Gammaspektrometer dabei. Wir haben auch Wasser- und Bodenproben genommen. Private Organisationen vor Ort, wie zum Beispiel Umweltgruppen, haben uns Hinweise gegeben, wo wir messen sollen. Leider haben uns die örtlichen Behörden daran gehindert, näher an der Mine zu messen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Ziel dieser Kampagne in Niger?

Teule: Wir wussten schon, dass der Uranabbau in Niger ernste Auswirkungen hat. Atomstrom wird heute als saubere Energie verkauft. Wir wollten auf das dreckige Gesicht der Nuklearindustrie hinweisen, das sich bei den Minen zeigt, ganz am Anfang der nuklearen Kette. Der Areva-Konzern vernachlässigt nach unserer Auffassung hier seine Verantwortung und gleichzeitig drängt die Firma überall in der Welt auf den Bau neuer Atomreaktoren. Areva hat zwei Gesichter, und die wollten wir entlarven. Anfang Mai werden wir einen umfassenden Bericht zu unserer Studie in Niger vorlegen.

SPIEGEL ONLINE: Was verlangen Sie von der Firma?

Teule: Areva soll die schlimmen Auswirkungen des Uranabbaus zugeben. Die Firma muss alles tun, damit potentielle Gefahren ausgeschaltet werden. Das kann für Areva teuer werden, aber es ist notwendig. Die ersten 35 Jahre hat das Unternehmen Niger hauptsächlich ausgebeutet. Die Firma wollte die Rohstoffe für Frankreich und sonst wenig Ärger. Es gab keine Kontrolle. Erst in den letzten Jahren haben Arbeiter in den Minen und Umweltorganisationen Kritik geübt. Danach hat sich einiges gebessert. Aber eben nicht genug.

Das Interview führte Cordula Meyer>

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Indien 2.5.2010: Entsorgung von Atommüll auf Müllhalden oder auf dem Schrottplatz - mit Todesfolge

aus: 20 minuten online: Indien: Durch Atommüll tödlich verstrahltDurch Atommüll tödlich verstrahlt; 2.5.2010; http://www.20min.ch/news/ausland/story/26318618

<Ein indischer Schrotthändler ist beim Zerlegen einer Anlage der Universität Delhi so stark radioaktiv vergiftet worden, dass er an den Folgen starb. Die Wissenschaftler hatten es mit der Entsorgung auch anderswo nicht so genau genommen.
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Die Arbeit geht weiter: Auf diesem Schrottplatz wurde ein Altmetallhändler tödlich verstrahlt. (Bild: AFP)

Am Donnerstag hatte die indische Polizei der Universität vorgeworfen, sie habe eine Maschine zur Bestrahlung mit radioaktivem Kobalt auf einem Schrottplatz entsorgt. Dadurch sei der 35-jährige Arbeiter tödlich verstrahlt worden, sieben weitere seien zur Behandlung ins Spital gebracht worden.

Die schlampige Entsorgung der stark verstrahlten Maschine ist dabei nur die Spitze des Eisbergs: Physiker der Universität von Neu Delhi sollen vor zwei Jahrzehnten rund 20 Kilogramm Atommüll in eine Grube auf dem Hochschulcampus geschüttet haben. Das berichtete die «Times of India» am Freitag.

Strahlenkanone auf Auktion versteigert

Der Chemie-Professor Ramesh Chandra sagte der Zeitung, mit dem strahlenden Material sei nicht «angemessen» umgegangen worden. Es sei auf dem Hochschulgelände «einfach begraben» worden. Auch nach 20 Jahren müsse damit gerechnet werden, dass der Atommüll in der Grube auf dem Universitätsgelände noch radioaktive Strahlung verbreite, sagte Chandra. Die Hochschulleitung wollte sich zu dem Vorwurf des Chemikers am Freitag nicht offiziell äussern.

Nach Informationen der Tageszeitung «Asian Age» entzog die zuständige Aufsichtsbehörde der Universität am Donnerstagabend das Recht zur Nutzung radioaktiven Materials. Die Universität der indischen Hauptstadt hatte 1980 eine Maschine zur Gamma-Bestrahlung erworben, diese 1985 ausser Dienst gestellt und im Februar dieses Jahres auf einer Auktion veräussert.

IAEA bietet Hilfe an

Die Internationale Energiebehörde (IAEA) hat von Indien Aufklärung über einen tödlichen Unfall mit radioaktivem Material verlangt. Gleichzeitig bot die IAEA aber auch ihre Hilfe an.

IAEA-Sprecher Marc Vidricaire erklärte, die indischen Behörden hätten das radioaktive Material inzwischen sichergestellt. Der Fall zeige aber erneut, dass in Indien gefährlicher Materialien oft unkontrolliert beseitigt werden. So werden Chemikalien, aber auch radioaktiver Müll an Schrotthändler verkauft.

Am Montag beginnt in New York eine internationale Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages. Dort soll es unter anderem auch um das Problem gehen, dass atomare Materialien auch aus zivilen Einrichtungen wie Spitälern, Forschungseinrichtungen oder Industrieanlagen in falsche Hände geraten können.

(sda/ddp)>

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16.9.2010: <Kinder, Leukämie, AKW - Schwangere, hütet euch vor AKWs!> - denn das Tritium in der Luft schädigt die Zellen des Ungeborenen - und die Flüsse sind ebenfalls belastet

aus: Die Wochenzeitung WoZ; 16.9.2010; http://www.woz.ch/artikel/2010/nr37/schweiz/19795.html

<Von Susan Boos

Schweizer Atomanlagen geben beträchtliche Mengen Tritium ab, das Wasser radioaktiv macht. Dieses Tritium könnte der Grund sein, weshalb Kinder, die in der Nähe von Atomanlagen leben, häufiger an Leukämie erkranken als andere Kinder. Auch die Strahlenschutzkommission fordert Abklärungen.

Ian Fairlies Warnung ist deutlich: Frauen, die ein Kind bekommen möchten, sollten sich von Atomanlagen fernhalten – sonst riskieren sie, dass ihr Kind an Leukämie erkrankt.

Fairlie lebt in London, ist Chemiker, bezeichnet sich als unabhängiger Berater und gilt als ausgewiesener Nuklearexperte. Ende August weilte er in Basel am Weltkongress der ÄrztInnen gegen Atomkrieg (IPPNW).

Fairlie liefert eine plausible Erklärung, weshalb Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, ein doppelt so hohes Risiko haben, an Leukämie zu erkranken, wie Kinder, die weiter weg leben. Die deutsche Kinderkrebsstudie Kikk hat dies vor zwei Jahren eindeutig belegt. Eine ähnliche Untersuchung, die sogenannte Canupis-Studie, läuft zurzeit in der Schweiz. Sie ist allerdings höchst umstritten, da die Schweiz zu klein ist, um wissenschaftlich relevante Daten zu liefern – die AKW-Seite dürfte die Studie allerdings dazu benützen, zu behaupten, die Meiler seien ungefährlich (siehe WOZ Nr. 48/09).

Hauptgefahr während der Revision - [wenn die Brennstäbe ausgewechselt werden, sind bis zu 5 Millionen Bequerel in der AKW-Halle]

Bei der Kikk-Studie konnten die AKW-Betreiber dies nie behaupten, weil die Resultate zu eindeutig waren. Aber trotzdem heisst es, die Leukämiefälle hätten mit den Atomanlagen nichts zu tun, weil diese im Normalbetrieb wenig Radioaktivität abgeben würden.

«Falsch!», sagt Fairlie im Gespräch mit der WOZ. Der Haupt­übeltäter ist seiner Meinung nach das Tritium. Das ist radioaktiver Wasserstoff, dessen Atome so winzig sind, dass sie durch Beton und Stahl gehen. Tritium entsteht in allen fünf Schweizer Reaktoren, aber auch in den Forschungsanlagen des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) nördlich von Baden oder im Verbrennungsofen des Zwischenlagers, das in unmittelbarer Nähe des PSI am Ufer der Aare liegt. Das Unangenehme an Tritium: Es setzt sich in normalen Wassermolekülen gerne an die Stelle von nichtradioaktiven Wasserstoffato­men – wodurch das Wasser selbst radioaktiv wird. Nehmen Menschen Tritium durch Essen, Trinken oder Atmen auf, dann baut es der Körper in die Zellen ein.

«Gefährlich ist es vor allem während der Revision», sagt Fairlie, «einmal im Jahr müssen sie in den Atomkraftwerken den Reaktordeckel öffnen, um die Brennstäbe zu wechseln. In diesem Moment entweicht viel Tritium, denn es gibt keine Möglichkeit, den Stoff zurückzuhalten.» Die normale Hintergrundstrahlung in der Umgebungsluft liegt bei einem AKW bei etwa fünf Becquerel pro Liter, sagt Fairlie: «Während der kurzen Spitzenbelastung, wenn der Reaktordeckel geöffnet wird, kann sie fünf Millionen Becquerel betragen, ist also um den Faktor von einer Million erhöht.» Hält sich nun eine Frau, die erst kurze Zeit schwanger ist, in diesem Moment in der Nähe des Atomkraftwerks auf und der Wind weht vom AKW in ihre Richtung, kann es für den Embryo riskant werden. «Kurz nach der Befruchtung sind die Zellen am strahlenempfindlichsten, weil sie sich sehr schnell teilen», sagt Fairlie. Diese frühen Schädigungen lösen vermutlich später die Leukämie aus.

«Es besteht Abklärungsbedarf» - [Atomkraftwerke dürfen radioaktives Wasser ablassen und Flüsse mit Tritium verseuchen]

Einmal im Monat misst das Bundesamt für Gesundheit an verschiedenen Stellen die radioaktive Belastung. Sybille Estier, die für das Mess­programm zuständig ist, meinte gegenüber der WOZ: In der Umgebung der AKW könnten sie jeweils keinen Tritium-Anstieg registrieren – wenn aber im Zwischenlager radioaktives Material verbrannt werde, würden sie dies bei ihren Messungen sehen.

Bei den Atomkraftwerken geht der gröss­te Teil des Tritiums über die Abwässer in die Aare respektive den Rhein. Besonders viel lassen Gösgen, Beznau und Leibstadt raus – sie erreichen heute zwischen 15 und 21 Prozent der erlaubten Limiten.

Wobei diese Limiten sehr willkürlich erscheinen: Das AKW Gösgen darf zum Beispiel 3,5-mal mehr radioaktives Wasser ablassen als das AKW Leibstadt. Würde für Gösgen dieselbe Limite gelten wie für Leibstadt, wäre es schon bald an der Grenze des Erlaubten. Am meisten darf übrigens der Verbrennungsofen in Würenlingen abgeben – und zwar in die Luft, was die Bevölkerung eigentlich alarmieren müsste.

[Auch der schweizerische Strahlenschutz will nun Abklärungen über das Tritium der AKWs - und auch die Uhrenindustrie hat Flüsse verseucht]

Die Eidgenössische Kommission für Strahlenschutz und Überwachung (KSR) treibt das radioaktive Wasser ebenfalls um. Im KSR-Jahresbericht heisst es: «Insbesondere wirft das organisch gebundene Tritium einige Fragen bezüglich Toxizität und Mobilität auf.»

André Herrmann, bis vor kurzem Kantonschemiker von Basel-Stadt, ist Präsident der KSR. Er meint, Ian Fairlies These sei nicht abwegig, auch wenn es noch andere mögliche Erklärungen für die erhöhte Leukämierate bei Kindern gebe. «Es besteht in jüngster Zeit tatsächlich ein erhöhtes Interesse an Tritium», auch in der Schweiz gebe es Abklärungsbedarf: «Wir möchten genauer wissen, wo es vorkommt und welche Konsequenzen es haben kann.» Herrmann beeilt sich, anzufügen: Was nicht heissen müsse, dass es gefährlich sei, man wolle es einfach aus wissenschaftlichem Interesse wissen. Es gebe zudem in verschiedenen Flüssen Altlas­ten aus der Uhrenindustrie (sie verwendete das Material für Leuchtzifferblätter), die man auch untersuchen müsse, um festzustellen, wie viel Tritium in den Flussbetten liege, woher es stamme und ob es in die Nahrungskette gelange.

Im Ausland ist die Diskussion schon weiter. Im Juli publizierte die französische Strahlenschutzbehörde ASN einen Bericht, der vermutet, das Risiko von Tritium sei bis heute unterschätzt worden – weshalb die ASN eindringlich weitere Forschung verlangt. Eine unabhängige Expertengruppe hat schon 2007 im Auftrag der staatlichen britischen Health Protection Agency eine Untersuchung veröffent­licht, die zum Schluss kommt, Tritium sei doppelt so gefährlich wie bislang angenommen, und gefährdet seien vor allem Embryonen.

Zu hohe Grenzwerte

Der Präsident der IPPNW Schweiz, der Basler Onkologe Claudio Knüsli, kritisiert denn auch, dass die Strahlenschutzbehörden von Grenzwerten ausgehen, die sich auf einen sogenannten «Referenz-Mann» beziehen. Aufgrund von dessen Grösse, Gewicht und Konstitution wurde hochgerechnet, wie viel radioaktive Belastung ein Mensch angeblich vertragen kann, und daraus hat man dann die Grenzwerte abgeleitet. Diese theoretische Annahme kann niemals einem Embryo gerecht werden, da dieser um ein Vielfaches empfindlicher auf radioaktive Strahlung reagiert als Erwachsene. Deshalb fordert IPPNW, den «Referenz-Mann» durch einen «Referenz-Embryo» zu ersetzen, womit die Strahlenschutzlimiten deutlich gesenkt werden müssten.

<Mindestens 204 Milliarden Euro kostete die Bundesbürger die Nutzung der Atomenergie von 1950 bis 2010 Euro an staatlichen Fördermitteln. Das errechnet die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer Studie. Die Energiekonzerne rechnen anders.

Für Atomenergie in Deutschland hat es laut einer Greenpeace-Studie von 1950 bis 2010 eine staatliche Unterstützung von insgesamt 204 Milliarden Euro gegeben. Auch ohne die geplante Laufzeitverlängerung um durchschnittlich 12 Jahre kämen in den nächsten Jahren weitere 100 Milliarden Euro Kosten hinzu, teilte die Umweltschutzorganisation mit. Der Energiekonzern RWE und das Deutsche Atomforum wiesen die Zahlen als unseriös zurück.

Nicht zuletzt die ungeklärte Entsorgung schlägt sich teuer zu Buche.

Die Studie war bei dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegeben worden und ist eine Aktualisierung einer bereits vor einem Jahr präsentierten Analyse. In der ersten Fassung waren staatliche Förderungen von 1950 bis 2008 in Höhe von knapp 165 Milliarden Euro errechnet worden. Die Summen setzen sich dabei aus Finanzhilfen des Bundes für die Atomwirtschaft und Kosten für die maroden Atommülllager Asse 2 und Morsleben zusammen. Außerdem wurden Steuervergünstigungen für die Energiekonzerne hinzugerechnet sowie Kosten für fehlenden Wettbewerb, was aber schwer zu ermitteln ist.

Exakte Berechnungen schwierig

Die Subventionen lägen noch weitaus höher, würden die externen Kosten der Atomkraft miteinbezogen, sagte Energieexperte Andree Böhling. "Diese sind besonders wegen der unvorstellbaren Folgen und Kosten eines nuklearen Unfalls sehr hoch, aber nicht exakt zu berechnen." Es sei daher dreist, sich über Kosten der Erneuerbaren Energien zu beklagen, "wenn gleichzeitig Atomkraft und Kohle hoch subventioniert werden", sagte Böhling. Der Bundestag entscheidet am 28. Oktober über die längeren Atomlaufzeiten.

Der Energiekonzern RWE wies die Zahlen zurück. "Bei den staatlichen Anschubfinanzierungen seit den 60er Jahren wird in der Studie pauschal alles den Kernkraftwerken zugerechnet", sagte ein Sprecher der dpa. Die Anschubhilfen für die Kernenergie seien zudem mittlerweile vollständig über Steuern, Beschäftigung und Wertschöpfung zurückgezahlt worden. Dass die Studie ab 2011 eine Kernenergie-Förderung mit 100 Milliarden Euro unterstelle, zeige in Anbetracht der Atom-Steuer und den Zahlungen in den Fonds zum Ausbau der Ökoenergien die Scheingenauigkeit der Studie, monierte der RWE- Sprecher.

Das Deutsche Atomforum betonte: "Die Kernenergie ist in Deutschland eine sehr günstige Stromerzeugungsform, was auch von keinem namhaften Volks- oder Betriebswirt bestritten wird." Greenpeace verwende irreführende Zahlen, "um die eigenen alten Studien und Pressemitteilungen aufzupeppen".

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte hingegen, die Förderung der Atomenergie habe immer neue Kosten und ungelöste Müllprobleme zur Folge. "Die Förderung der Erneuerbaren Energien dagegen sorgt dafür, dass diese immer preisgünstiger werden. Das ist der entscheidende Unterschied, den die schwarz-gelbe Koalition nicht versteht."

dpa>

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13.10.2010: <Schweizer AKWs: Weiterhin schmutziges Uran> - die in der Schweiz in Beznau und in Gösgen verwendeten Uranbrennelemente kommen aus Majak aus dem Ural, aus dem am schlimmsten verseuchten Ort der Welt

Wie die schweizer Axpo-Vertreter sich um den Ursprungsort des aufbereiteten Urans herumreden. Schlimmer geht's nimmer. Aber lesen Sie selbst:

aus: Der Schweizerische Beobachter online; 13.10.2010 (Ausgabe 21/10);
http://www.beobachter.ch/natur/umweltpolitik/energiepolitik/artikel/schweizer-akws_weiterhin-schmutziges-uran/

<Text: Thomas Angeli

Jahrelang gab sich die Axpo unwissend. Man habe keine Hinweise darauf, woher das Uran stammt, das in den Brennelementen der AKWs Beznau und Gösgen eingesetzt wird.

Lager für spaltbares Material in Mayak.

Auch in der «Umweltdeklaration», die die Axpo 2008 für Beznau erstellen liess, ist nichts Konkretes zu finden.

Anfang September jedoch musste Axpo-CEO Manfred Thumann in der «Rundschau» eingestehen, «dass ein Teil des Urans leider auch aus Majak kommt». Und «Majak» ist nicht nur eine Stadt im Ural mit einer Wiederaufbereitungsanlage für Uran, sondern auch Synonym für eine der am stärksten verseuchten Gegenden der Welt. 1957 war in der dortigen Atomanlage ein Tank explodiert, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind katastrophal.

Uran-Vertrag läuft bis 2020

Der fragliche Liefervertrag für Brennelemente sei «praktisch erfüllt», erklärte Thumann in der «Rundschau» auf die Frage, ob die Axpo weiterhin wiederaufbereitetes Uran aus Majak beziehen werde. Nun zeigen Recherchen des Beobachters, dass das nicht stimmt. Thumann habe sich bei seiner Aussage in der «Rundschau» einzig auf den Vertrag bezogen, der bei der Erstellung der Umweltdeklaration gültig war, räumt Axpo-Sprecherin Anahid Rickmann ein: «Bei diesem Vertrag ist die Lieferung der Brennelemente erfüllt.»

Ein anderer Vertrag, der 2005 abgeschlossen wurde, läuft jedoch bis 2020 weiter. Vom russischen Vertragspartner der Axpo, dem Brennelemente-Hersteller TVEL, ist bekannt, dass er wiederaufbereitetes Uran aus Majak bezieht. Die Axpo erklärt nun, sie führe «andauernde, umfangreiche Abklärungen zur Herkunft des wiederaufbereiteten Urans».>

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München 18.11.2010: Die Atomstrahlung um AKWs bewirken Geburtenrückgang vor allem bei Mädchen

aus: WOZ online: Strahlenschutz und AKW: Die fehlenden Mädchen; 18.11.2010;
http://www.woz.ch/artikel/2010/nr46/schweiz/20056.html

<Tausende von Kindern kommen wegen radioaktiver Strahlung nicht auf die Welt – allein in Deutschland und in der Schweiz. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Claudio Knüsli, Onkologe in Basel und Präsident der ÄrztInnen gegen Atomkrieg Schweiz *, erklärt die Ergebnisse der Untersuchung.

WOZ: Glaubt man der vor kurzem in München publizierten Studie, sind Atomkraftwerke eigentliche Embryokiller: Sie sollen allein in Deutschland und der Schweiz die Geburt von bis zu 20 000 Mädchen verhindert haben. Kann man die Studie ernst nehmen?

Claudio Knüsli: Sehr wohl. Sie wurde von drei renommierten Wissenschaftlern – Ralf Kusmierz, Kristina Voigt und Hagen Scherb – verfasst. Voigt und Scherb arbeiten in München beim Helmholtz-Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das vom Staat getragen wird. Kusmierz ist an der Universität Bremen tätig.

Was genau haben die drei untersucht?

Sie versuchten herauszufinden, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Anzahl geborener Knaben respektive Mädchen und der Wohndistanz zum nächsten Atomkraftwerk. Dabei kamen sie zu hochsigni­fikanten Resultaten. Sie haben herausgefunden, dass in einem Umkreis von 35 Kilometern um die Atomanlagen – konkret geht es dabei um 27 Anlagen in Deutschland und 4 in der Schweiz – im Verlaufe der letzten vierzig Jahre ein Verlust von 10 000 bis 20 000 Lebendgeburten bei Mädchen nachweisbar ist.

Es wurden also bis zu 20 000 Mädchen weniger geboren, als normalerweise zu erwarten wäre?

Genau.

Und warum ist das wichtig?

Normalerweise werden 105 bis 106 Knaben pro 100 Mädchen lebend geboren. Im Verlaufe des Lebens verändert sich dieses Zahlenverhältnis – das Sex Odds genannt wird –, zum Zeitpunkt der Geburt ist es jedoch weitgehend stabil, es sei denn, Stress wie Krieg oder radioaktive Verstrahlung belasten die Bevölkerung. Vergleicht man die Sex Odds verschiedener Orte, lässt sich ziemlich einfach feststellen, ob in einer bestimmten Region Mädchen oder Jungen fehlen. Nach dem Super-GAU von Tschernobyl konnte man in jenen Gebieten Europas und Asiens, die durch die radioaktive Wolke verseucht worden waren, eine sprunghafte und anhaltende Veränderung der Sex Odds registrieren.

Dann hat also schon Tschernobyl dazu geführt, dass weniger Mädchen auf die Welt kamen?

Richtig.

Warum sind vor allem Mädchen betroffen?

Weibliche Embryonen sind offenbar noch strahlenempfindlicher als männliche. Grundsätzlich reagieren alle Embryonen äusserst strahlenempfindlich – und je kleiner sie sind, desto empfindlicher sind sie. Dies lässt sich durch letale Mutationen, also tödliche Veränderungen im Erbgut der Keimzellen oder der Embryonen erklären, bedingt durch die Verstrahlung mit radioaktiven Stoffen wie Cäsium-137. Deshalb kommt es dann zu spontanen Aborten der befruchteten Eizellen respektive der Embryonen.

Männliche Embryonen sind davon ebenfalls betroffen: Beobachtungen aus Dänemark vor und nach 1986 legen nahe, dass die radioaktive Verstrahlung durch Tschernobyl auch viele fehlende Knabengeburten verur­sacht hat. Auf etwa drei fehlende Mädchen­geburten kommt eine fehlende Knabengeburt.

Dann fehlen also insgesamt noch viel mehr Kinder?

Ja, davon muss man ausgehen. Gemäss den vorliegenden Daten fehlen – als Folge des Reaktorunfalls in Tschernobyl 1986 – in Europa und Teilen Asiens mindestens eine Million Kinder! Anders als in den USA, die von Tschernobyl kaum betroffen waren.

Zurück zur eingangs erwähnten Studie: Was bedeutet sie für die Schweiz?

Die drei Wissenschaftler haben auch die Geburten einbezogen, die es in den letzten vierzig Jahren im 35-Kilometer-Radius um die Schweizer Atomkraftwerke gab, das waren 1,78 Millionen Lebendgeburten. Auch hier lässt sich nachweisen, dass Mädchen fehlen. Hochgerechnet sind es jedes Jahr mehrere Dutzend Mädchenlebendgeburten, die bei uns verloren gehen.

Ist das hieb- und stichfest?

Die Resultate sind hochsignifikant, sie halten auch strengen statistischen Zusatztesten wie einer Sensitivitätsanalyse stand. Man kommt an diesen Resultaten der verlorenen Kinder in der Umgebung von AKWs nicht vorbei. Es muss angenommen werden, dass die radioaktive Strahlung, die die AKWs auch im Normalbetrieb abgeben, dafür verantwortlich ist. Es kann zusätzlich auch zu Erbgutveränderungen kommen, die nicht sofort tödlich wirken, sondern erst Jahre später zu schweren Erkrankungen wie Leukämie führen. Wir müssen die genetischen Veränderungen sehr ernst nehmen, denn das Erbgut – «das kostbarste Gut der Menschheit», wie dies die Weltgesundheitsorganisation einmal formuliert hat – wird nachweislich geschädigt. Eine verantwortungsbewusste Gesellschaft darf sich deshalb die folgenschwere Atomtechnologie nicht leisten. Die medizinischen Argumente sind nicht zu übersehen, deshalb müssen wir auf Atomenergie verzichten.

<Seit mehr als einem Jahr versucht der Asse-Ausschuss, Schlampereien rund um das einsturzgefährdete alte Salzbergwerk aufzuklären. Während Jürgen Rüttgers sich im Zeugenstand kaum an etwas erinnern kann, sorgen zahlreiche Krebsfälle im Umfeld des maroden Atommüllendlagers für Unruhe.

Im Schatten der Asse [ein Ex-Salzbergwerk, die als Atommülllager dient] ist die Gefahr, an Krebs zu erkranken, deutlich erhöht.

Im Umfeld des maroden Atomendlagers Asse bei Wolfenbüttel ist eine erhöhte Zahl von Leukämie-Fällen festgestellt worden. Dies teilte das niedersächsische Umweltministerium in Hannover auf Anfrage mit und bestätigte damit einen Bericht des NDR. Ministeriumssprecher Thomas Spieker sagte, Auswertungsergebnisse des Epidemiologischen Krebsregisters des Landes hätten Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten von Leukämie-Erkrankungen insbesondere bei Männern ergeben.

"Eine Ursache dafür kann bisher nicht festgestellt werden", sagte Spieker. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen: "Wir wissen daher noch nicht, welchen Einfluss zum Beispiel Lebensalter und Berufstätigkeit auf Erkrankungen haben".

Der Sprecher des Ministeriums versicherte, Transparenz sei jetzt "oberstes Gebot". Die Landesregierung werde den Landkreis bei einer "zügigen und ergebnisoffenen Ursachenabklärung unterstützen". Der Landkreis Wolfenbüttel habe bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet unter Einbeziehung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und des Landesgesundheitsamtes. Nach Angaben des Sprechers ist die Erkrankungshäufigkeit für Leukämie bei Männern im Umfeld des Lagers Asse doppelt so hoch wie üblich, bei Frauen gebe es dagegen nur eine "nicht signifikante Erhöhung". Dagegen sei die Erkrankungsrate für Schilddrüsenkrebs bei Frauen verdreifacht.

In dem maroden ehemaligen Salzbergwerk Asse sind zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert worden. Der Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz, plant wegen Wassereinbrüchen und Einsturzgefahr derzeit, das komplette Lager zu räumen.

Große Erinnerungslücken

Jürgen Rüttgers war von 1994 bis 1998 als Bundesforschungsminister mit den Abläufen in der Asse betraut.

Unterdessen hat die Befragung des ehemaligen Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) als Zeuge im Asse-Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags keine neuen Erkenntnisse gebracht. Rüttgers konnte sich nur noch rudimentär daran erinnern, was in seiner Amtszeit im Atommülllager Asse passiert ist. "Die Vorgänge sind zwischen 12 und 16 Jahren her", sagte Rüttgers.

Insgesamt sei er nur drei Mal mit Vorgängen aus der Asse befasst gewesen, sagte Rüttgers. Er konnte sich auch nicht daran erinnern, ob er bei seinem Amtsantritt 1994 über die Existenz der 126.000 Fässer in der maroden Schachtanlage informiert wurde. "Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass ich heute hier als Zeuge geladen bin und nicht als Beschuldigter", sagte Rüttgers. Der CDU-Politiker war von November 1994 bis Oktober 1998 als Bundesforschungsminister mit dem Atommülllager befasst.

"Jetzt muss Frau Merkel liefern"

Bereits im Vorfeld der Vernehmung von Rüttgers hatten sich die Mitglieder des Asse-Ausschusses im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung einstimmig darauf geeinigt, das Bundeskanzleramt in Berlin auf die Herausgabe von Akten zur Asse zu verklagen. Das Kanzleramt verweigert die Vorlage von Akten seit einem Jahr.

Der Landtag wird die entsprechenden Schreiben für eine Klage jetzt vorbereiten. Hintergrund für die Entscheidung ist ein Gutachten des Braunschweiger Staatsrechtlers Prof. Edmund Brandt. Er hatte im Auftrag der Landtags-Grünen in seiner Expertise festgestellt, dass das Kanzleramt die Arbeit des Untersuchungsausschusses behindert. "Jetzt muss Frau Merkel liefern", sagte Stefan Wenzel, Fraktionschef der Grünen.

Der Asse-Ausschuss versucht seit mehr als einem Jahr, Versäumnisse und Schlampereien rund um das einsturzgefährdete alte Salzbergwerk in Wolfenbüttel aufzuklären. In der Schachtanlage lagern 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Der Ausschuss hatte zuletzt im August Akten zum Atommülllager Asse angefordert. Trotz mehrfacher Aufforderung hat das Kanzleramt aber bisher nur einen kleinen Aktenbestand übermittelt.

dpa/AFP>


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8.12.2010: Uranaufbereitung für schweizer Atomkraftwerke in Majak in Russland - am verstrahltesten Ort der Welt - mit einigen Nebenwirkungen für die Menschen dort

aus: Basler Zeitung online: Am verstrahltesten Winkel der Welt; 8.12.2010;
http://bazonline.ch/ausland/europa/Am-verstrahltesten-Winkel-der-Welt/story/14499422

<Von Susanna Petrin, Majak.

Die Gegend um Majak ist so verstrahlt wie Tschernobyl. Doch erst seit klar ist, dass auch deutscher Atom-Müll dort entsorgt werden soll und Schweizer AKW in Majak Uran aufbereiten lassen, schauen viele hin.

Ich habe Angst, auch nur einen Fuss in diese Gegend zu setzen. Am liebsten trüge ich einen Anzug aus Blei und eine Atemmaske. Doch es wäre taktlos, hier wie auf einer Marsmission aufzutreten. Denn wo es mir vor einem Aufenthalt von wenigen Stunden schaudert, haben Tausende von Menschen ihr ganzes oder einen Grossteil ihres Lebens verbracht. Rund 20'000 Menschen wohnen immer noch da, die meisten von ihnen sind zu arm, um sich an einem sicheren Ort eine neue Existenz aufzubauen. So sind sie hiergeblieben: im Umkreis der Atomanlage Majak, in der Region Tscheljabinsk, am Ural im Südwesten Russlands. Diese Gegend konkurrenziert mit Tschernobyl um den unrühmlichen Titel «meistverstrahlter Ort der Welt».

In Majak explodierte 1957 ein Tank mit hochradioaktiver Flüssigkeit. 200 Menschen starben sofort, Tausende wurden verstrahlt, rund 15'000 Quadratkilometer Land kontaminiert. Offiziell über die Katastrophe informiert wurde erst rund 30 Jahre später.

Verseuchter Fluss

Jetzt sind wir hier, im Dorf Musljumowo, nur 30 Kilometer Luftlinie von der Majak-Anlage entfernt. Wir laufen über eine Wiese Richtung Fluss Tetscha. Sechs Journalisten, von der Umweltorganisation Greenpeace dazu eingeladen, sich vor Ort ein Bild von dem Ort zu machen, aus dem die Schweizer AKW Beznau und Gösgen einen Teil wiederaufbereiteten Urans für ihre Brennstäbe beziehen. Mit jedem Schritt knirscht unser Strahlungsdetektor etwas lauter. 20 counts pro Sekunde, 30, 40, 50. Links und rechts von uns ragt je eine Ruine; die eine war bis 1992 ein Internat für Kinder, die andere eine Mühle. Bei einer Pfütze unten am Fluss knarrt der Detektor laut: 100 counts pro Sekunde, 200, 300, am Flussufer: 400 – eine rund 20-mal höhere Strahlung als üblich.

Der Fluss Tetscha ist eine radioaktive Kloake. Die Umwelt ist hier nicht nur wegen des Tankunfalls verstrahlt, sondern auch weil jahrelang radioaktive Abfälle aus der Majak-Anlage hineingeleitet wurden, Millionen von Kubikmetern. Das war von 1949 bis 1956. Die grosse Frage lautet nun: Ist die Region heute nur wegen der alten Katastrophen dermassen verstrahlt, wie die Behörden sagen. Oder werden, das beklagen Umweltschützer, Wasser und Luft weiterhin von der nahen Uran-Wiederaufbereitungsanlage, den Plutoniumfabriken sowie dem atomaren Lager in Majak verseucht, Tag für Tag, bis heute?

Viele Krebskranke

Zwei Fussballtore rosten auf der Wiese vor dem einstigen Internat vor sich hin, ein kleiner Turnschuh liegt im Gras. Bis vor wenigen Jahren spielten Schulkinder hier, badeten Kinder und Erwachsene in diesem Fluss, tranken daraus, fischten, liessen ihr Vieh hier weiden, tränkten ihre Äcker mit Tetscha-Wasser. Die Menschen bekamen täglich erhöhte Strahlendosen von aussen ab. Dazu tranken sie die kontaminierte Milch, assen das verseuchte Fleisch, das selbst gezogene Gemüse.

Die Krebsrate, die Kindersterblichkeit und die Zahl vieler weiterer Krankheiten stiegen und stiegen – «und liegen bis heute weit über dem russischen Durchschnitt», sagt die Ingenieurin Natalia Mironowa, Präsidentin der russischen NGO «Bewegung für Atomsicherheit». Die 64-Jährige kämpft seit 20 Jahren gegen den Atombetrieb. «Die Behörden wollen uns überzeugen, dass wir nur alte Probleme haben», sagt sie, «aber wir messen aktuelle Verschmutzungen.» Jährlich würden zudem weitere Millionen von Kubikmeter radioaktiven Abfalls im künstlichen Deichsystem von Majak landen. «Doch der Erddamm hält nicht ganz dicht, ein Teil des Mülls gelangt weiterhin in die Tetscha.» Hinzu komme, dass am Grund des Karachai-Sees tonnenweise Plutonium-Müll lagere und allmählich via Grundwasser durchzusickern drohe. Noch gefährlicher ist der radioaktive Staub, der entsteht, wenn Teile des Sees austrocknen. Mit leicht gequältem Gesichtsausdruck beantwortet später der Minister für radioaktive Sicherheit der Region Tscheljabinsk, Konstantin Smolin, unsere Fragen. Er spricht von einem Monitoring der Region. «Die Grenzwerte werden nicht überschritten, sonst würden wir Alarm schlagen.»

Dutzende nah am Fluss gelegene Dörfer sind nach Jahrzehnten der Verseuchung evakuiert und zerstört worden. Doch bis zu diesem Tag ist die Tetscha zugänglich, manche der verbliebenen Bewohner tränken laut Mironowa dort ihr Vieh, nehmen weiterhin belastete Nahrung zu sich. Smolin versichert jedoch: «Wir pflanzen entlang den Flussböschungen stachlige Hecken.»

Zweifelhafte Umsiedlung

Ein alter Mann aus Musljumowo steht auf einer Kreuzung, ein Protestplakat in der Hand. «Rosatom (die russische Atomaufsicht), nimm die Atomabfälle weg, bring die Leute weg», hat er darauf geschrieben. Der Demonstrant weint, sobald er zu reden beginnt. Fast alle Menschen hier seien krank oder gestorben. Später zeigt er uns einen Ausweis: Rawil Galyautdinow, geboren 1940. Darüber als erster Eintrag: «Auf kontaminiertem Territorium lebend.» Wie viele Geschädigte bekommt er monatlich einen Zustupf als Entschädigung für sein Leid. 2006 habe er zudem ein Formular bekommen, das ihm eine Million Rubel für eine Umsiedlung zusprach. Doch die Behörden hätten das Papier verloren.

Sonst könnte Galyautdinow vielleicht nach Neu-Musljumowo ziehen. Nur drei Kilometer entfernt vom alten Dorf ist es in den letzten Jahren aus dem Boden gestampft worden. An diesem Novembermorgen hängen die Wolken dunkel und tief; die rotbedachten, beigen Häuser leuchten im Sturmlicht. Doch längst nicht alle Bewohner sind zufrieden mit ihren neuen Heimen. Kaum steigen wir aus dem Auto, scharen sich immer mehr Leute um uns, klagen über nicht funktionierende Heizungen oder darüber, dass sie zu wenig Geld bekommen hätten für eine neue Existenz. Eine Frau ist mit ihrem behinderten Sohn da; er werde nicht als Strahlenopfer anerkannt, sagt sie. Für misslungen halten auch lokale Umweltschützer die Umsiedlung der Bewohner von Alt- nach Neu-Musljumowo. Einige Häuser stünden näher am Fluss als zuvor, besser wäre eine Siedlung nahe der Zivilisation, etwa der Stadt Tscheljabinsk. Die Polizei parkt wenige Meter von der Menschenansammlung entfernt am Strassenrand, und plötzlich sind da auch zwei Männer mit einer Kamera, die sich als lokales Fernsehteam ausgeben. Später werden dieselben Männer wieder auftauchen und uns durch schmutzige Autoscheiben beobachten.

Frischer Zitronensaft gegen Strahlung

Dann kommt Nadjescha Kutepowa. Die Juristin vertritt hier viele Menschen; einige ihrer Fälle sind derzeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hängig. Beide Frauen, Kutepowa und Mironowa, haben selber eine vom Urangeschäft geprägte Familiengeschichte. Kutepowas Grossmutter produzierte einst in Majak Plutonium für Stalins Bombe, sie starb jung an Lungenkrebs; ihr Vater, ein Ingenieur in der Majak-Fabrik, erlag einem Magenkrebs – bis heute arbeiten dort 14'000 Arbeiter in der gesperrten Zone, unter welchen Bedingungen ist nicht bekannt.

Mironowa wuchs in der Ex-DDR bei der Uranmine Wismut auf. Sie erinnert sich noch, wie ihr und den anderen Kindern als Vorkehrung gegen die Strahlung jeden morgen frischer Zitronensaft verabreicht worden war. Jetzt kämpfen beide Frauen für einen wirksameren Schutz der Menschen hier. Und lassen sich nicht einschüchtern. Auch wenn schon mal ihre Bürotüre von einer Axt eingeschlagen wurde, auch wenn sie schon ausgeraubt wurde, wie Mironowa erzählt.

Axpo will Prüfung vor Ort

Tags darauf in der Millionenstadt Tscheljabinsk. «Wir lassen keine Abfälle mehr ins offene Wassersystem», versichert der neue Direktor von Majak, Sergej Baranow. Die Technologie sei fortschrittlich und werde stetig weiter verbessert. Schweisstropfen sammeln sich in den Tränensäcken des beleibten Direktors, das Konferenzgebäude wird tüchtig geheizt. Die Messdaten seien öffentlich, man müsse sie nur beantragen, sagt er, ebenso einen Besuch der Werke.

Das will die Schweizer AKW-Betreiberin Axpo nun tun und damit einer Forderung von Greenpeace nach Transparenz und der Einhaltung internationaler Standards nachkommen. «Wir wollen die Anlagen besichtigen», sagt Mediensprecher Erwin Schärer. Sollte das gelingen, bekäme die Axpo mehr Einblick als die IAEA, deren Kontrolleure in Majak nicht zugelassen sind. Militärgeheimnis, heisst es. Denn im einstigen Chemie- und Waffenkombinat verschmelzen militärische und zivile Nutzung weiterhin. Sogar die russische Atomaufsicht stellt in einem Bericht von 2009 resigniert fest, dass gesetzliche Grundlagen fehlten.

Eigentlich wäre das «Recycling» von Uran wohl tatsächlich das geringste Übel, denn der Abbau von Natururan ist ein mindestens so umweltschädigendes Geschäft. «Die konsequente Verwendung dieser Wertstoffe reduziert den Verbrauch an Ressourcen um rund 20 Prozent», sagt Schärer. Greenpeace rechnet einiges pessimistischer. Doch noch hat kaum ein Aussenstehender einen Fuss in die Anlage gesetzt, noch sind viele Fragen offen. «Die Verschmutzung hält an», sagt Mironowa: «Die Geschichte von Majak ist noch nicht fertig geschrieben.»

Was die indirekt involvierten Baselbieter Energiekonzerne dazu sagen, lesen Sie heute in BaZ. (Basler Zeitung)>


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Ab 11. März 2011: Erdbeben und Tsunami in Japan - Ausfall von Kühlsystemen in Atomkraftwerken und drohende Kernschmelzen

Karte des
                    Erdbebens in Japan vom 11. März 2011 mit den
                    haupsächlich betroffenen Regionen Miyagi, Sendai und
                    Fukushima
Karte des Erdbebens in Japan vom 11. März 2011 mit den haupsächlich betroffenen Regionen Miyagi, Sendai und Fukushima [7]

Tsunami in Miyagi in Japan, 11.
                    März 2011 [5]: Der Tsunami ist höher als die
                    Schutzmauer und schleudert alles über die
                    Schutzmauer.
Tsunami in Miyagi in Japan, 11. März 2011 [5]: Der Tsunami ist höher als die Schutzmauer und schleudert alles über die Schutzmauer.

Tsunami in
                            Sendai
Tsunami in Sendai [9]
Der Flughafen
                            von Sendai mit Tsunami
Der Flughafen von Sendai mit Tsunam [9]

Wer Atomkraftwerke in Erdbebenzonen wie Japan auf dem "Feuerring" (weltweite Vulkankette) baut, der muss damit rechnen, dass dann die Atomkraftwerke nach einem Erdbeben ausser Kontrolle geraten. So geschah es in Japan in der Region Sendai bzw. im Atomkraftwerk von Fukushima:

Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011

Fukushima, das
                            Selbstmord-Atomkraftwerk direkt am Meer vor
                            dem Tsunami (klassicher Harakiri)
Fukushima, das Selbstmord-Atomkraftwerk direkt am Meer vor dem Tsunami (klassicher Harakiri) [8]. Das AKW Fukushima liegt nicht nur am Meer, sondern es liegt am offenen Meer am Pazifik, wo Wellen jeglicher Grössenordnung vorkommen können. Der Selbstmord durch AKW war also eigentlich vorsätzlich gelegt. Andere Tsunamis wie z.B. der nach der Explosion des Vulkans von Santorini (Griechenland) zeigen, dass auch in kleinen Meeren hohe Flutwellen vorkommen können. Es ist also auf jeden Fall ein Pokerspiel, ein AKW am Meer zu bauen.

Explosion des
                            Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima
                            am 14.3.2011 (01)
Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011 (01) [6]
Explosion des
                            Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima
                            am 14.3.2011 (02)
Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011 (02) [6]
Explosion des
                            Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima
                            am 14.3.2011 (03)
Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011 (03) [6]
Explosion des
                            Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima
                            am 14.3.2011 (04)
Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011 (04) [6]
Explosion des
                            Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima
                            am 14.3.2011 (05)
Explosion des Reaktors 3 des Atomkraftwerks von Fukushima am 14.3.2011 (05) [6]


14.3.2011: 13.55 <Kernschmelze droht in drei Reaktoren>
aus: n-tv online; 14.3.2011; http://www.n-tv.de/Spezial/IAEA-Wohl-kein-zweites-Tschernobyl-article2810866.html

<Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 droht nach Angaben der Behörden eine Kernschmelze in drei Reaktoren. Das sagt Regierungssprecher Yukio Edano der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge. Im Reaktorblock 2 ist nach früheren Angaben möglicherweise bereits ein Teil des radioaktiven Kerns geschmolzen.>

Schlussfolgerung: Sonne statt Atom - aber die Krokodil-Regierungen wollen es nicht
Chile nach dem grossen Erdbeben im Februar 2010 hatte nur deswegen keine Probleme mit Atomkraftwerken, weil Chile noch keine Atomkraftwerke hat.

Insgesamt gesehen gibt es keinen Grund, an der Atomkraft festzuhalten und die Forschung bei der Sonnenenergie zu blockieren, sondern die Atomkraft ist zu gefährlich, und es fällt atomarer Abfall an, der länger lebt als die Menschheit selbst. Die Sonnenenergie muss gefördert werden, und die Atomkraft muss verschwinden. Aber diese menschenfreundliche, tierfreundliche und naturfreundliche Lösung wollen die Milliardäre der Atomlobby und die Krokodil-Präsidenten der Regierungen der Welt bis heute nicht akzeptieren. Und so schlittert die Welt von einer Atomkatastrophe in die nächste.

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n-tv online, Logo

12.3.2011: Greenpeace-Atomexperte warnt, Atomtechnologie ist "einfach Wahnsinn"

aus: n-tv online: Atomexperte warnt: "Diese Technologie ist einfach Wahnsinn"; 12.3.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Diese-Technologie-ist-einfach-Wahnsinn-article2822611.html

Christoph von Lieven ist Atomexperte bei
                    Greenpeace.
Christoph von Lieven ist Atomexperte bei Greenpeace [1]: Atomtechnologie ist "einfach Wahnsinn"

<Der Reaktor von Fukushima ist desselben Typs wie Reaktoren in Deutschland.

Die nukleare Katastrophe in Japan ist für die Menschen vor Ort lebensbedrohlich. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber über die Nahrungskette kann auch Deutschland von dem Unglück betroffen sein. Christoph von Lieven, Atomexperte von Greenpeace, bezeichnet die Aussage, dass so etwas in Deutschland nicht passieren kann, im n-tv Interview als "fahrlässig und unverantwortlich".

n-tv: Es wird berichtet, dass es im Reaktor Fukushima zu einer Kernschmelze gekommen ist. Was sind Ihre aktuellen Informationen?

Christoph von Lieven: Das entspricht auch unserer aktuellen Informationslage. Diese Kernschmelze hat wahrscheinlich die Explosion ausgelöst – dadurch, dass extreme Hitze im Gebäude entstanden ist. Dort hatte sich schon Überdruck angedeutet, der jetzt noch mal gesteigert worden ist. Wir wissen nicht, ob es eine Wasserstoffexplosion gegeben hat oder eine Wasserdampfexplosion. Auf jeden Fall ist Radioaktivität freigesetzt worden. Wir hören auch, dass schon Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt werden.

Wie gefährlich ist das?

Für die Menschen vor Ort ist das extrem bedrohlich und lebensgefährlich. Die Kernschmelze bedeutet, dass die Kühlung komplett ausgefallen ist, dass die Reaktion langsam weitergeht, dass aber vor allen Dingen alles, was außen herum um die Brennstäbe war, anfängt zu schmelzen und durch den Boden, durch das Gebäude hindurch ins Erdreich oder in ein Auffangbecken hineinschmelzen kann. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass Radioaktivität gasförmig geworden ist und freigesetzt wird – durch die großen Lücken vom weggesprengten Dach, von weggesprengten Gebäudeteilen. Sie kontaminiert die komplette Umgebung. Das ist das, wovor Greenpeace seit Jahren warnt. Diese Technologie ist einfach Wahnsinn.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sagt, Deutschland sei in keinem Fall gefährdet. Teilen Sie diese Einschätzung?

Der Umweltminister muss so etwas sagen. Es ist aber einfach falsch. Wir haben [in Deutschland] Reaktoren im Einsatz, die genau gleich funktionieren. Wir haben mit Neckar-Westheim einen Reaktor, der in einem Gebiet steht, das nicht erdbebensicher ist. Nach Tschernobyl hat die Bundesregierung gesagt, das wären nur alte sowjetische Reaktoren. Der Reaktor, der jetzt gerade hochgegangen ist, der die Umwelt und die Menschen extrem gefährdet und verletzen wird, ist ein Reaktor desselben Typs, wie wir sie in Deutschland auch haben. Zu sagen, das wird hier nicht passieren, ist einfach fahrlässig und unverantwortlich.

Geht denn von der aktuellen Katastrophe in Japan eine Gefährdung für Deutschland aus oder ist das ausgeschlossen?

Das kommt darauf an, wie hoch die radioaktiven Partikel in die Atmosphäre geschleudert werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass direkt Radioaktivität von Japan hierher nach Deutschland gelangt. Was passieren kann ist, dass sie in der Nahrungskette angereichert wird. Ob die radioaktiven Partikel aufs Meer hinausgefegt werden oder an Land bleiben, sie werden sich irgendwo wieder festsetzen. Und dadurch könnten wir theoretisch, aber in sehr, sehr geringen Maße, auch davon betroffen werden.>

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Basler Zeitung online, Logo

14.3.2011: Die radioaktive Verseuchung von Teilen Japans steht bevor - Krebsraten werden steigen - 4 Jahre wird man warten, und die Aufräumarbeiten dauern nochmals 10 Jahre - Lagerproblem für den radioaktiven Schrott

Japan hat sich zu sehr von der Atomenergie abhängig gemacht und hat keine alternativen Energiequellen erschlossen, obwohl eigentlich jeder Vulkan ein riesiger Erdwärmespeicher ist, den man nutzen könnte. Entschuldigung, aber so dumm sind die Japaner. Nun drohen hohe Krebsraten. Weitere  Strahlenfolgen wie deformierte Babys sind nicht erwähnt. Man kann das Ereignis eigentlich auch mit den Atombombenabwürfen von 1945 vergleichen. Und Japan lernt bisher nichts aus dem Schicksal: keine Umkehr in der Fischereipolitik, und keine Umkehr in der Energiepolitik.

aus: Basler Zeitung online: Dann beginnt das nächste Problem; 14.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Dann-beginnt-das-naechste-Problem/story/24164665?dossier_id=885

<Interview: Reto Knobel.

Der Schweizer Atomphysiker Stephan Robinson vergleicht den AKW-Unfall von Japan mit denjenigen von Tschernobyl und Harrisburg. Und schildert das grösste Problem bei den anstehenden Aufräumarbeiten. Dr. Stephan Robinson ist Kernphysiker und lebt in Basel. Er arbeitet als Bereichsleiter bei der Stiftung Green Cross Schweiz.

Stephan Robinson, vor 25 Jahren ereignete sich in Tschernobyl der bislang grösste Atomunfall. Kann man eine Bilanz ziehen?

Das verstrahlte Gebiet damals war etwa 40'000 Quadratkilometer gross, das entspricht etwa der Fläche der Schweiz. 5 Millionen Leute waren betroffen. Theoretisch kann man ausserhalb einer 30-Kilometer-Zone rund um das Atomkraftwerk wieder leben.

Theoretisch?
Es hat dort immer noch sehr viele langlebige Radio-Nuklide, die in den Körper aufgenommen werden können, weshalb das Gebiet in den nächsten 300 bis 1000 Jahren nur eingeschränkt bewohnbar und wirtschaftlich nutzbar ist.

Wie gefährlich ist die Strahlung ein Vierteljahrhundert nach dem Unfall?
Die Menschen rund um Tschernobyl leiden immer noch unter den Spätfolgen. Drei Stoffe sind besonders gefährlich. Da ist erstens Radio-Iod. Glücklicherweise ist nach den ersten 100 Tagen das Iod weitgehend zerfallen und heute nicht mehr anzutreffen. Radioaktives Iod hat aber in den ersten Monaten und Jahren nach dem Unfall zu einer Häufung von Schilddrüsenkrebs geführt. Viel bedrohlicher sind heute Radio-Caesium und Radio-Strontium. Caesium ist Kalium chemisch gleichartig und wird vom Körper in Muskeln und verschiedenen Organen eingebaut - aber mit der Zeit auch wieder ausgeschieden. Es ist heute die wichtigste Komponente der Strahlungsaufnahme. Am schlimmsten ist die Wirkung des dem Kalzium chemisch sehr ähnlichen Strontium, das sich in Knochen ansammeln kann und unter anderem Leukämie auslösen kann.

Ein paar Monate nach der Tschernobylkatastrophe legte man einen ersten Beton-Sarkopharg über das AKW. Hält er dicht?
Er ist mürbe, geschädigt von Wetter und Strahlung. Der Mantel droht zusammenzubrechen, darum wurde der Bau eines zweiten Deckels beschlossen.

Eine Baumassnahme, die irgendwann auch die Verantwortlichen in Japan prüfen müssen?
Bei allem Schrecken und Leid: Nach jetzigem Wissensstand ist die Welt mit einem blauen Auge davongekommen. Das sogenannte Containment - eine Schutzhülle um die eigentliche Reaktorhülle - hält offenbar bisher weitgehend.

Es kam aber zu verschiedenen Wasserstoffexplosion im dritten Reaktorblock des havarierten AKW Fukushima, es wurde radioaktiver Dampf in die Umgebung freigesetzt. Was sagt Ihnen das?
Wie gesagt: Die Reaktoren scheinen inwendig beschädigt zu sein. Der Cocktail von freigesetzten Radionukliden deutet auf eine Kernschmelze hin. Mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen. Im schlimmsten Fall, falls doch noch massive Mengen von radioaktiven Materialien austreten sollten, würden viele Quadratkilometer Land wie in der Ukraine und Weissrussland 300 bis 1000 Jahre nur sehr eingeschränkt bewohnbar sein.

Wie geht es jetzt in Japan weiter?
Die beschädigten Reaktoren müssen lange, sehr lange überwacht werden. Nach dem Unfall von Three Mile Island im März 1979 strahlten die Reaktoren noch so stark, dass man erst nach 5 Jahren mit dem Abbau anfangen konnte – dieser dauerte dann nochmals fast 10 Jahre. Auch in Japan wird es viele Jahre dauern, bis die Strahlungsniveaus so weit gesunken sind, dass man ans Aufräumen denken kann.

Und dann?
Dann beginnt das nächste Problem. Wohin soll man mit all dem radioaktiven Schrott? Der Abbau und die Endlagerung werden eine grosse Herausforderung sein. Da die radioaktiven Materialen alle miteinander verschmolzen sind, muss jeder Schritt ganz genau geplant werden. Die jahrzehntelange Überwachung, Demontierung und Lagerung ist aufwendig und wird Kosten im Milliardenbereich verursachen. Gleichzeitig fallen mit der durch das Erdbeben bedingten Abschaltung von 11 Atomreaktoren etwa 6 Prozent der japanischen Energieproduktion weg. Das entspricht gemäss unserer Schätzung der Leistung von 8 Leibstadt-Atomkraftwerken.

Kann dieser Ausfall ersetzt werden?
Kurzfristig nicht. Die erneute Inbetriebnahme der noch funktionierenden Atomreaktoren dauert mindestens drei Monate. Die Anlagen müssen vollständig inspiziert und vielleicht überholt werden. Im schlimmsten Fall wurden die notabgeschalteten Reaktoren durch das Erdbeben mechanisch so stark beschädigt, dass sie nie mehr in Betrieb genommen werden können. (baz.ch/Newsnetz)>

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Spiegel
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Fukushima 15.3.2011: Die Brennstäbe in den Abklingbecken sind ohne Wasser und ohne Dach - die Brennstäbe brennen zum Teil und Radioaktivität wird in Wolken grosszügig "verteilt"

aus: Spiegel online: Pannenreaktoren in Fukushima: Gefahr aus dem Abklingbecken; 15.3.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,751086,00.html

<Von Christoph Seidler

Dutzende Tonnen abgebrannte Brennstäbe werden auf dem Gelände des Pannenmeilers Fukushima gelagert. Das Design der Altmeiler sorgt dafür, dass der strahlende Abfall sozusagen auf dem Dachboden liegt. Ein erstes der Lager hat gebrannt - weitere Probleme könnten folgen.

Es sah alles so überzeugend aus - allerdings nur in der schönen Scheinwelt der Powerpoint-Präsentationen. Noch im November vergangenen Jahres zeigte Tepco, die Betreiberfirma des nun havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi, auf einem Fachkongress in Tokio die vermeintlich vorbildlichen Kapazitäten zur Zwischenlagerung von radioaktivem Müll auf dem Kraftwerksgelände. Außer einem zentralen Lagerbecken - 29 Meter lang, zwölf Meter breit, elf Meter tief - verfüge jeder der sechs Reaktoren noch über einen eigenen Zwischenspeicher für verbrauchte Brennstäbe.

Doch genau diese vermeintlich so vorbildlichen Lager könnten sich nun zur Gefahr für die Bewohner der Region entwickeln (aktuelle Lage im Liveticker). Denn die mit Stahl ausgekleideten Abklingbecken aus Beton mit dem eingelagerten Altbrennstoff sind offenbar alles andere als sicher. Am Dienstag kam es nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu einem Brand in einem der Lager für die benutzten Kernbrennstäbe. Bei dem Zwischenfall im Bereich des Reaktors 4 wurde auch Radioaktivität frei.

Die Abklingbecken dienen dazu, die noch immer heißen Kernbrennstäbe aus einem Reaktor nach dem Ende ihrer Einsatzzeit langsam abzukühlen. Dafür werden sie mit größeren Mengen an Wasser bedeckt. Wegen der Nachzerfallswärme des Atommaterials muss das Wasser permanent ausgetauscht werden, zum Teil jahrelang. "Alte Brennstäbe erzeugen noch lange Wärme. Wenn sie nicht gekühlt werden, ist so eine Art Mini-Schmelze möglich", sagt Wolfgang Sandner, Präsident der Deutschen Physikalische Gesellschaft (DPG), zu SPIEGEL ONLINE.

Kühlwasser in Fukushima-Abklingbecken soll gekocht haben

Und mit der Kühlung gibt es auch in Fukushima Probleme. Nach Meldungen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo hat das Wasser im Abklingbecken von Reaktor 4 zumindest zwischenzeitlich gekocht. Außerdem soll der Wasserstand sinken. "Das könnte darauf hinweisen, dass auch dort das Kühlsystem beschädigt ist oder dass es ein Leck gibt", sagt der Atomexperte Mycle Schneider. Der Träger des Alternativen Nobelpreises hatte als Gutachter mehrfach Nuklearanlagen in Japan besucht. Nun warnt er in drastischen Worten: Falls die Kühlung komplett versage, drohe die Selbstentzündung der alten Brennstäbe.

Die "New York Times" zitiert Johei Shiomi, einen Sprecher der Betreiberfirma Tepco mit der Aussage, die Abklingbecken seien seit der Zeit kurz nach dem Erdbeben nicht gekühlt worden. "Irgendwann fängt das Wasser an, auszusieden", sagt Joachim Knebel vom Karlsruher Institut für Technologie im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Dann passiert das gleiche wie im Reaktorkern auch." Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Die Abklingbecken der Reaktoren haben keine druckresistente Schutzhülle - und befinden sich an besonders exponierter Stelle.

Schuld daran ist das von General Electric entwickelte Design des Altmeilers in Fukushima. Die dortigen Reaktoren gehören zur sogenannten Mark-1-Baureihe. Bei ihnen wird der strahlende Abfall der Stromproduktion sozusagen auf dem Dachboden gelagert - außerhalb des Containment genannten Sicherheitsbereichs. "Nach meinen Informationen befinden sie sich zwischen dem vierten und fünften Stock des Reaktorgebäudes", sagt Schneider. "Nach den Explosionen der Hüllen liegen sie damit offenbar frei."

Denn die Dächer von mindestens zwei Maschinenhäusern sind nach Wasserstoffexplosionen nicht mehr an ihrem Platz. Robert Alvarez vom Institute of Policy Studies sagte dem "Guardian", Satellitenbilder zeigten Hinweise auf Schäden an mindestens einem Abklingbecken. Es könnte womöglich Jahre dauern, die Schäden zu beheben und die verbrauchten Brennstäbe in andere Lager zu bringen.

Brennstabhüllen könnten sich entzünden

Wenn Strahlung aus Abklingbecken freiwerde, "dann gelangt die auch in die Umwelt", warnt David Lochbaum von der Union of Concerned Scientists (UCS). Immerhin sind die Wassermengen in den Becken vergleichsweise groß, mehr als tausend Kubikmeter, schätzen Experten. Bis diese Menge komplett verdampft, dauert es einige Zeit. Doch selbst ein teilweises Freiliegen der Brennstäbe wäre gefährlich, weil sich die aus einer Zirkonium-Legierung gefertigten Brennstabhüllen entzünden könnten.

Sören Kliem vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf drückt es im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE so aus: "Ich habe ein schlechtes Gefühl. Man muss sich darum kümmern, dass da Wasser reinkommt." Nach Angaben von Schneider liegen 50, 81 und 88 Tonnen an alten Brennstäben in den Becken der Reaktorgebäude 1 bis 3. "Die Abklingbecken bereiten mir allergrößte Sorgen. Man kann sie nicht einfach flicken, wenn sie ein Leck haben." Die Union of Concerned Scientists lobt die Japaner immerhin dafür, dass sie nur vergleichweise kleine Abfallmengen in den Becken des Kraftwerks lagerten. "Die gute Nachricht ist, wenn man es überhaupt so nennen kann, dass nach unseren Informationen die Menge an verbrauchten Brennelementen in den Pools vergleichsweise klein ist", sagt UCS-Mitarbeiter Edwin Lyman. Die Lager seien nicht voll ausgelastet gewesen.

Das Problem: Gerade das Abklingbecken im Block 4, an dem es am Dienstag Probleme gab, ist besonders voll. Dort liegt neben alten Brennstäben auch der Kern des Meilers, der vor der Katastrophe gerade gewartet wurde. Nun müssen sich die japanischen Einsatzkräfte dringend Gedanken um die Kühlung des Beckens machen. "Es ist einer der ganz schwierigen Punkte, dass der Tsunami das Hilfskühlsystem zerstört hat", sagt KIT-Mitarbeiter Knebel. Als Notmaßnahme könnten die Abklingbecken über Schläuche mit Meerwasser gekühlt werden. Allerdings haben die Einsatzkräfte wegen der mittlerweile zum Teil hohen Temperaturen Schwierigkeiten, die Becken überhaupt zu erreichen. Nach einem Bericht des japanischen Fernsehsenders NHK sollen deswegen Hubschrauber Wasser über dem vierten Block des Kraftwerks abwerfen.

Diese Lösung ist auch nicht ohne Gefahren, weil strahlende Stoffe ausgewaschen werden könnten. Verseuchtes Meerwasser, das zur Reaktorkühlung genutzt wird, leiten Einsatzkräfte schon jetzt ins Meer zurück, sagt Mycle Schneider. "Das ist nur noch Desaster-Management", sagt Schneider. "Die Rettungsmaßnahmen sind längst jenseits von Gut und Böse."

Mit Material von dapd, Mitarbeit: Holger Dambeck>

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Basler
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Vergleich Tschernobyl-Fukushima 15.3.2011: Die Helfer bei einer Atomkatastrophe bei 400 Millisievert pro Sekunde dürfen nicht lange arbeiten: <"Rein, raus. Sonst sterben sie">

aus: Basler Zeitung online; 15.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Rein-raus-Sonst-sterben-sie/story/19963037?dossier_id=885

<Von Reto Knobel.

Männer, die als erste bei Aufräumarbeiten nach einer Atomkatastrophe eingesetzt werden, heissen Liquidatoren. Beim Unfall von Tschernobyl wurden etwa 700'000 von ihnen eingesetzt. Mit unvorstellbaren Folgen.

Laut Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die sich auf Angaben der japanischen Regierung beruft, beträgt die derzeitige Strahlendosis rund um das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi bis zu 400 Millisievert pro Stunde.

Zum Vergleich: Der Grenzwert für die Normalbevölkerung beträgt gemäss dem Schweizer Kernphysiker Stephan Robinson 1 Millisievert – pro Jahr. Bei beruflich strahlenexponierten Menschen (etwa Arbeiter in Atomkraftwerken) liegt die oberste Grenze bei jährlich 20 Millisievert. Robinson geht aufgrund dieser enormen Strahlenbelastung in Japan davon aus, «dass der Reaktorkern seit Tagen im Trockenen liegt».

Armeeführung kritisiert AKW-Betreiber

Trotzdem, berichtet die Zeitung «Yomiuri Shimbun», setzen Soldaten ihr Leben aufs Spiel. Und trotz Sicherheitsgarantien von Tepco sei es wiederholt zu Zwischenfällen gekommen, kritisiert die japanische Armeeführung den Atomkraftwerkbetreiber Tepco. Bei der Explosion von Reaktor 3 sind vier Soldaten verletzt worden.

Wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet, waren nach Angaben des japanischen AKW-Betreibers Tepco bis Dienstag noch 50 Mitarbeiter vor Ort in Fukushima. 750 Mitarbeiter seien abgezogen worden. Der Grund ist klar: An Rettungsarbeiten ist bei einer solchen Menge radioaktiver Strahlung nicht zu denken. «Retter können nur ein paar Minuten arbeiten - rein, raus. Sonst sterben sie», weiss Stephan Robinson von der Stiftung Green Cross Schweiz.

Unterdessen stieg die radioaktive Belastung in der Nähe von Tokio auf das zehnfache Niveau der üblichen Strahlung. Das berichtet die Agentur Kyodo unter Berufung auf die Präfektur von Chiba.

Viele haben ihr Leben geopfert

Menschen, die in den ersten Stunden und Tagen bei AKW-Einsätzen am Unglücksort arbeiten, heissen Liquidatoren. Die Aufräumarbeiter setzen ihr Leben aufs Spiel, wie die Folgen des Tschernobyl-Unfalls zeigen.

Gemäss dem ehemaligen Medizinprofessor an der Universität Bern, Theodor Abelin, musste die damalige Sowjetunion 700'000 Männer für Lösch- und Aufräumarbeiten rekrutieren.

Warum dieser extreme Aufwand? Laut Abelin mussten die Arbeiter immer wieder ersetzt werden, weil sie «innert kurzer Zeit die maximal zulässige lebenslängliche Strahlendosis abbekommen hatten», wie der Experte in einem Gastbeitrag für den «Bund» schreibt. Am gefährlichsten seien die rund 1800 Helikopterflüge gewesen, die notwendig waren, um den Brand im Reaktorkern mit 5000 Tonnen Deckmaterial zu löschen.

Die Helfer waren zum Teil unzureichend geschützt. Der Liquidator Nikolai Gontscharow etwa, der nach dem Unfall als 31-Jähriger vom Nordural nach Tschernobyl abgezogen wurde, arbeitete in normaler Felduniform, nur mit einem Mundschutz ausgerüstet.

90 Prozent der Helfer wurden krank

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO überlebten mindestens 50'000 Liquidatoren den Einsatz nicht, 90 Prozent der Überlebenden wurden krank. Die gravierendste Gesundheitsfolge ist Krebs, insbesondere Schilddrüsenkrebs. Experten gehen von einer Zunahme um 4000 Prozent aus. Die Leukämie-Fälle sind laut Greenpeace zehn Jahre nach dem Unfall um 840 Prozent angestiegen.

Hinzu kommt die psychische Belastung. Die Menschen leiden überdurchschnittlich häufig an psychischen Erkrankungen wie Panikattacken oder Phobien, wie der Neurologe Juri Jankelewitsch anlässlich eines Besuches im Süden Weissrusslands vor fünf Jahren ausführte.

(baz.ch/Newsnetz)>

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Welt
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Deutschland 15.3.2011: Merkel beschliesst, 7 alte Atomkraftwerke in Deutschland zu schliessen

Welt online: Wir schalten ab - ohne einen Plan für Alternativen; 15.3.2011;
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article12833066/Wir-schalten-ab-ohne-einen-Plan-fuer-Alternativen.html

<In Deutschland werden alle vor 1980 in Betrieb genommenen Atomkraftwerke vorerst abgeschaltet. Das betrifft auch die Isar 1 im bayerischen Landkreis Landshut, den ältesten und umstrittensten deutschen Atommeiler. Kritiker forderten seit Jahren die Stilllegung von Isar 1. Seit Donnerstagnachmittag ist das Kraftwerk vom Netz.

Kein anderes westliches Land hat so auf den Störfall von Fukushima reagiert wie Deutschland. Dabei ist gar nicht klar, wie hoch der Preis eines Verzichts auf Atomenergie wäre.

In Japan ist die Gefahr einer nuklearen Katastrophe beileibe nicht gebannt – wie auch die Zukunft des asiatischen Hochtechnologielandes selbst unwägbar scheint. Doch es überrascht wohl, dass am anderen Ende der Welt, in Deutschland, mitten in Europa, fast die Hälfte der Atomkraftwerke vom Netz genommen wird. Kein anderes westliches Industrieland hat so hektisch reagiert.

Weder Amerika noch Großbritannien oder Frankreich diskutieren mit dieser emotionalen Aufgewühltheit. Warum besonders den Deutschen die Atomenergie so suspekt ist, bleibt ein Rätsel. Die Unsichtbarkeit der radioaktiven Gefahr, dem Krebs gleich, mag ein tiefenpsychologischer Grund sein. Die Frage des Endlagers des radioaktiven Abfalls allemal.

Und auch wenn es zu keinen größeren Zwischenfällen im Lande selbst kam, die Gefahr eines nicht beherrschbaren Störfalles ist nie gebannt. Bisher war man bereit, diese Risiken abzuwägen gegenüber dem enormen Gewinn, den Atomenergie bietet.

Deutschland und auch andere kamen so zu billigem Strom. Aus Umweltgründen verwies man in jüngster Zeit auf die CO2-neutrale Atomenergie und verzichtete auf Kohle. Zudem war bisher die Atomenergie wichtiger Ausweis nationaler Autarkie, weil man Erdöl- und Gasimporte aus politisch unwägbaren Regimen drosseln wollte.

Doch der gesellschaftliche Protest hielt an. Daher wollte man in der Atomenergie nur noch eine „Brückentechnologie“ sehen. Doch wo stößt diese Brücke an das neue Ufer? 17 Prozent erneuerbare Energien sind beachtlich, reichen aber nicht für ein Industrieland.

Wie schnell ist die Quote zu erhöhen samt Speicherung und Leitungsnetzen? Was ersetzt die Atomenergie? Müssen wir wieder teures russisches Gas kaufen und abhängig bleiben vom saudischen oder libyschen Öl? Wie hoch werden die Energiepreise steigen? Was, wenn das Wirtschaftswachstum gebremst wird? Ist das den Deutschen klar?

Die Kanzlerin entschied mitten in der Hitze, mit dem Moratorium die Gemüter kühlen zu wollen. Die sieben alten Meiler sind hopplahopp entsorgt. Ein völliger Atomausstieg aber darf nicht Hals über Kopf geschehen. Es geht um ernste nationale Fragen. Und deren Beantwortung braucht Zeit.>

Details

<In Deutschland werden alle vor 1980 in Betrieb genommenen Atomkraftwerke vorerst abgeschaltet. Das betrifft auch die Isar 1 im bayerischen Landkreis Landshut, den ältesten und umstrittensten deutschen Atommeiler. Kritiker forderten seit Jahren die Stilllegung von Isar 1. Seit Donnerstagnachmittag ist das Kraftwerk vom Netz.

Bei dem Kraftwerk kam es immer wieder zu technischen Zwischenfällen. So gab es in den vergangenen Monaten beispielsweise eine Panne beim Verladen von Brennelementen und einen Defekt an einem Notstromsystem. Isar 1 ist auch schlechter als andere Meiler gegen Flugzeugabstürze gesichert, genauso wie Biblis A und B in Hessen. Die beiden Atomreaktoren werden früher als zunächst geplant abgeschaltet. Biblis A ging am Samstag vom Netz, während Biblis B wegen Wartungsarbeiten bereits nicht im laufenden Betrieb war.

Das AKW Unterweser in Niedersachsen ist mittlerweile vom Netz.

Auch das schleswig-holsteinische Kraftwerk Brunsbüttel ist abgeschaltet. Der Siedewasserreaktor in Brunsbüttel ging 1976 an den Start und ist damit das älteste Atomkraftwerk im Norden. Seit 2007 ist er ohnehin die meiste Zeit nicht am Netz. Nach dem alten Atomkompromiss dürfte er aber noch etwa zwei Jahre Strom produzieren. Sollte die zunächst beschlossene Laufzeitverlängerung Bestand haben, wären es acht Jahre mehr – also rechnerisch bis etwa 2020.

Philippsburg 1 wurde am 17. März vom Netz genommen. Das Kraftwerk ging 1979 ans Netz. Es arbeitet mit einem Siedewasserreaktor nach dem Prinzip des Katastrophen-Kernkraftwerks im japanischen Fukushima. Das Kraftwerk liegt rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe auf einer Insel im Rhein. 1984 wurde Philippsburg 2 mit einem Druckwasserreaktor in Betrieb genommen. In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Pannen und Störfälle gegeben.

Das zweite baden-württembergische Kraftwerk, das am 17. März abgeschaltet wurde, ist Neckarwestheim 1. Es ist der zweitälteste Meiler in Deutschland. Der Block liegt zusammen mit dem 1989 in Betrieb genommenen Neckarwestheim 2 am rechten Ufer des Neckars zwischen Heilbronn und Ludwigsburg.

Das AKW Krümmel in Schleswig-Holstein ist bereits abgeschaltet und soll es auch bleiben.>

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                    minuten online, Logo

16.3.2011: "Waldbrand" in Fukushima im Atomkraftwerk

aus: 20 minuten online: US-Atombehörde berichtet von "extremer Strahlung"; 16.3.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/Katastrophale-Entwicklung-befuerchtet-30749857


<Der Chef der US-Nuklearbehörde behauptete, Reaktor 4 sei trocken und die Strahlungswerte «extrem erhöht». Japan dementiert und hält die Lage für stabil.

17:58 Uhr [MEZ]: EU-Energiekommissar Oettinger sieht pure Verzweiflung, Feuer im AKW wie bei einem Waldbrand löschen zu wollen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger befürchtet «in den kommenden Stunden weitere katastrophale Entwicklungen» in den japanischen Unglücksreaktoren. Das Kraftwerk Fukushima sei «ausserhalb einer fachmännischen Kontrolle», sagte der deutsche Kommissar am Mittwochnachmittag vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel. Zumindest ein Reaktormantel sei beschädigt, sagte Oettinger, und «in einer Art Interimslagerlagern mehrere Tonnen nuklearer Müll herrenlos unter freiem Himmel».

Er zeigte sich besorgt über die «unglaublichen Bordmittel», mit denen in der Anlage gearbeitet werde. Zur Kühlung der Brennelemente würden Wasserwerfer eingesetzt, nachdem man zunächst wie bei einem Waldbrand versucht habe, Wasser mit Hubschraubern zu bringen. «Ich bin mir sicher, dass wir noch nicht am Ende dieser tragischen und weitreichenden Katastrophe angelangt sind», sagte Oettinger. Für die Menschen auf der Insel bestehe «sicherlich eine Gefahr für Leib und Leben». Man müsse befürchten, dass die Entwicklung «in Gottes Hand liegt».>

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Fukushima 16.3.2011: Helikopter kann nicht mehr helfen, denn es strahlt zu viel

Die hilflosen Versuche, ein AKW zu löschen, werden von der japanischen Regierung sinnloserweise weiterbetrieben. Aber lesen Sie selbst:

aus: Welt online: Fukushima 1: Helikopter-Einsatz scheitert wegen enormer Strahlenbelastung; 16.3.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article12840830/Helikopter-Einsatz-scheitert-wegen-enormer-Strahlenbelastung.html

<Neue Brände an Reaktoren und Strahlungs-Höchstwerte verschärfen das Atom-Drama. Wasser sollte von Helikopern auf das AKW geschüttet werden. Die Aktion scheiterte.

Die Lage im Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima in Japan ist außer Kontrolle. Nach weiteren Feuern an zwei Reaktoren und einem starken Anstieg der Strahlung mussten sich die Arbeiter aus dem Kraftwerk zurückziehen und ihre Arbeiten vorerst einstellen. Die Regierung forderte auch im Ausland Hilfe an.

Ein Löscheinsatz mit Helikoptern über dem Reaktor 3 wurde abgebrochen. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo war es wegen der hohen Radioaktivität nicht möglich, Wasser von der Luft aus auf das Gebäude zu sprühen.

Am Mittwoch fingen sowohl Reaktor 4 als auch Reaktor 3 Feuer. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie stundenlang dichte Rauchschwaden von der Anlage aufstiegen. Die radioaktive Strahlung auf der Anlage erreichte neue Rekordmarken.

Japan wandte sich nun auch an die USA. Die Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Edano. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete zudem, dass die Regierung auch dem Einsatz ausländischer Ärzte für die Erdbebenopfer zustimmen. Zudem will Südkorea einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken. Damit sollen die schwer beschädigten Atomreaktoren im Kraftwerk stabilisiert werden.

Am Mittwoch überschlugen sich die Schreckensnachrichten: Zunächst fing am Morgen Reaktor 4 Feuer, ausgelöst vermutlich durch eine Wasserstoffexplosion, wie der Sender NHK berichtete. Auch von Reaktor 3, wo Brennstäbe mit hochgiftigem Plutonium gelagert sind, stieg wenig später Rauch auf. Auf eine Explosion dort gebe es aber keine Hinweise, sagte Regierungssprecher Edano auf einer Pressekonferenz. Später hieß es, der Druck im Reaktormantel von Block 3 sei stabil geblieben.

In dem Unglücks-Atomkraftwerk gab es seit dem Tsunami am Freitag in den Reaktoren 1 bis 4 mehrere Explosionen und Brände. Am Dienstag hatte es schon geheißen, dass die Reaktorhülle in Block 2 beschädigt sein könnte. Dieser Schaden könnte nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde auch der Grund für die hohe Strahlung sein. Der Tsunami hatte das Kühlsystem des Atomkraftwerks zerstört, weshalb die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden können. Eine Kernschmelze wird seit Tagen vermutet.

Löscharbeiten waren offensichtlich unmöglich. Erst sollten Hubschrauber zum Löschen eingesetzt werden. Dies sei aber zu gefährlich, sagte Edano. Auch sei die Strahlung zu hoch, als dass Mitarbeiter auf das Gelände könnten. Im Fernsehsender NHK sagte ein Sprecher der Atomaufsicht, die Menschen könnten nicht mehr in den Kontrollraum. Sie seien in sichereren Räumen untergebracht.

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, dass der Rauch am Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen könnte. Am Sonntag war in dem Reaktor die Kühlung ausgefallen. Danach explodierte freigewordener Wasserstoff. Das äußere Gebäude wurde zerstört. Die Strahlung an dem Atomkraftwerk erreichte in der Nacht zu Mittwoch den Höchstwert von 1000 Millisievert (1 Sievert), berichtete Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen.

1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf. Für die zusätzliche künstliche Strahlenbelastung, etwa in der Industrie, senkte der Gesetzgeber im Jahr 2001 den Grenzwert für die Jahresdosis von 1,5 auf 1 Millisievert. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz können bei einem Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome auftreten.

Auch nach den neuen Vorfällen gebe es keine Pläne, die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Aktuell gilt ein 30-Kilometer-Radius. Anwohner, die diese Zone trotz der Evakuierungsanordnung noch nicht verlassen haben, sollen Türen und Fenster geschlossen halten. Die Versorgungslage in Teilen des Landes wird derweil immer schlimmer: Die Regierung rief die Bevölkerung auf, keine Hamsterkäufe mehr an Tankstellen zu machen und Energie zu sparen. Die Menschen sollten ihren Gas- und Treibstoffverbrauch einschränken, sagte Edano. Derzeit werde alles versucht, um dringend benötigtes Gas und Kraftstoffe in die Katastrophengebiete zu bringen.

Am Freitag hatten ein Erdbeben und ein Tsunami den Nordosten Japans verwüstet. Die offizielle Zahl der Toten steht bei 3373. Das meldete der TV-Sender NHK unter Berufung auf die Polizei. Die Zahl der Vermissten geht nach wie vor in die Tausende. Weiter hieß es, dass 440.000 Menschen in 2400 Notunterkünften lebten. Dort mangele es teilweise am Nötigsten wie Wasser oder Essen. Zudem seien im Nordosten Japans 850.000 Haushalte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch immer ohne Strom. Das meldete NHK nach Angaben des Energieversorgers Tohuku.

Die Naturkatastrophen hätten 76.000 Gebäude beschädigt und mindestens 6300 weitere komplett zerstört. Nach Vorhersagen der japanischen Wetterbehörde soll der Wind in den kommenden Stunden Richtung Osten und somit hinaus auf das Meer wehen. Im Großraum Tokio, 260 Kilometer südlich von Fukushima gelegen, geht die Angst vor einer radioaktiven Wolke um.

dpa/dapd/AFP/cc/omi>

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Cronicaviva del Perú, online,
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16.3.2011: Chile hält am Projekt eines Atomkraftwerks fest

aus: Cronicaviva del Perú: Chile firmará acuerdo nuclear con Estados Unidos , online: http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/mundo/america/15221-chile-firmara-acuerdo-nuclear-con-estados-unidos

Chile firmará acuerdo nuclear con Estados Unidos

Miércoles, 16 de Marzo de 2011 11:59


Chile wird ein Nuklearabkommen mit den "USA" unterzeichnen

Mittwoch, 16. März 2011, 11:59 Uhr, Übersetzung von Michael Palomino

<SANTIAGO.- La ministra secretaria general de Gobierno del presidente Sebastián Piñera, Ena von Baer, confirmó hoy que este viernes Chile firmará el convenio de cooperación nuclear con Estados Unidos, pese a las críticas de sus parlamentarios hacia la medida, especialmente por los accidentes de los reactores nucleares de Fukushima, en Japón.

Sobre este último punto, la ministra aclaró que "todos los chilenos y las chilenas pueden estar tranquilos, porque obviamente la situación que se está viviendo en Japón va a ser tomada en cuenta en las investigaciones que se están haciendo en este momento respecto a la energía nuclear".

Marco Pérez>


<SANTIAGO. - Die Staatssekretärin der chilenischen Regierung Sebastián Pñera, Ena von Baer, bestätigte heute, dass Chile diesen Freitag das Nuklear-Kooperationsabkommen mit den Verunreinigten Staaten unterzeichnen werde, obwohl im Parlament heftige Kritik geübt wird, vor allem seit den nuklearen Reaktorunfällen in Fukushima in Japan.

Was den letzten Punkt anbelangt, sagte die Ministerin, dass "alle Chilenen und Chileninnen beruhigt sein können, weil die Situation in Japan offensichtlicherweise bei den Verhandlungen um die Nuklearenergie mitberücksichtigt werden wird."

Marco Pérez>


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16.3.2011: <Atomkraftwerk Fukushima 1: Kampf gegen Super-GAU ist Himmelfahrtskommando>

aus: Welt online; 16.3.2011;
http://www.welt.de/gesundheit/article12843229/Kampf-gegen-Super-GAU-ist-Himmelfahrtskommando.html

<Autor: Dominik Ehrentraut 

50 von ursprünglich 800 Mitarbeitern führen einen mutigen und verzweifelten Kampf gegen die drohende Kernschmelze. Dabei riskieren sie ihr Leben.

Sie kämpfen unerbittlich gegen die Katastrophe an. Sie wollen das Unmögliche möglich machen und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel. Am Ende müssen sie wohl aufgeben. Die dramatische Situation im japanischen Atomkraftwerk Fukushima1 hält 50 mutige Mitarbeiter nicht davon ab, weiterhin fieberhaft Meerwasser in den überhitzten Reaktor in Block 2 zu pumpen, um die Brennstäbe abzukühlen. Zuvor hatte eine Explosion erstmals den inneren Schutzmantel des Reaktors beschädigt.

Am Dienstagmorgen (Ortszeit) waren noch mehr als 800 Arbeiter und Techniker im Kernkraftwerk im Einsatz, um den Reaktor zu kühlen und damit eine gefährliche Kernschmelze zu verhindern. Doch durch die Explosion, die die Hülle von Reaktor 2 beschädigte, stiegen die Strahlungswerte dramatisch.

Der Betreiber Tepco war gezwungen, alle bis auf jene 50 Arbeiter aus dem Atomkraftwerk abzuziehen. Es handele sich um eine „sehr schlimme“ Lage, vermeldete das Unternehmen und wiederholte noch einmal die Warnung vor möglichen Kernschmelzen.

Im Laufe des Tages mussten aber auch die Unternehmensspitzen einsehen, dass sie ihre verbliebenen Mitarbeiter aus der Gefahrenzone herausholen müssen. Denn die radioaktive Belastung in den Kontrollräumen des Reaktors sei durch die Explosion gravierend angestiegen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Die verbliebenen Mitarbeiter müssten komplett abgezogen werden. Sie können nicht mehr ohne Gefahr für ihre Gesundheit in den Leitständen des Kraftwerks arbeiten. Später kehrten die Mitarbeiter jedoch in das Atomkraftwerk zurück.

Wie verzweifelt und lebensgefährlich der Kampf gegen die drohende Kernschmelze ist, zeigen Überlegungen, den außer Kontrolle geratenen Block 4 im Atomkomplex zu retten. Block 4 ist der derzeit einzige unter den havarierten Meilern, der sich aus technischen Gründen nicht aus unmittelbarer Nähe mit Meerwasser kühlen lässt.

Am Dienstag brach dort ein Feuer aus, das kurze Zeit später gelöscht wurde. Nun soll der Block mithilfe von Hubschraubern gekühlt werden. Wie der staatliche Fernsehsender NHK berichtete, sollen sie Wasser durch die entstandenen Löcher im Dach schütten. Ein verzweifelter Versuch, um die im Inneren liegenden Kernbrennstäbe zu kühlen.

Zuvor war bekannt geworden, dass sich die Wassertemperatur im Abklingbecken der Brennstäbe bedrohlich erhöht hatte. In japanischen Medien wurde vermutet, dass die Radioaktivität im Kraftwerk zu hoch für einen Einsatz von Menschen ist. Deshalb werde eine Lösung aus der Luft geprüft. Alternativ könnten aber auch Feuerwehrwagen an das Reaktorgebäude herangefahren werden, um durch die Löcher Wasser in den Reaktor zu spritzen, hieß es.

Wie gefährlich der Einsatz für die Mitarbeiter tatsächlich ist und welche langfristigen Folgen sie davontragen, ist derzeit ungewiss. Denn die Szenen, die sich zurzeit in Fukushima ereignen, erinnern stark an die Tschernobyl-Katastrophe – und an das Schicksal der Liquidatoren. So hießen die Aufräumarbeiter, die nach dem Reaktorunglück in Minuteneinsätzen eine provisorische Schutzhülle, den sogenannten Sarkophag, um den Reaktorkrater bauten.

Oft entsorgten die meist ahnungslosen Männer mit bloßen Händen verstrahltes Material. Über ihr Schicksal gibt es auch 25 Jahre nach dem Unglück nur ungenaue Angaben. Viele starben an der Strahlenkrankheit oder später an Krebs. Zahlreiche der Aufräumarbeiter sind heute arbeitsunfähig. Viele Liquidatoren sollen nach Angaben des Verbands der Tschernobyl-Invaliden in Kiew ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt haben.

Andere leiden unter Depressionen oder Alkoholismus. Die Gesamtzahl der Liquidatoren betrug etwa 600.000, in anderen Quellen wird von bis zu einer Million Menschen ausgegangen.

An diesem Mittwoch wollen ehemalige Liquidatoren in Kiew gegen Kürzungen ihrer finanziellen Hilfen protestieren. Denn auch sie kämpften bis zum bitteren Ende – und müssen bis heute unter den Folgen ihres Einsatzes leiden.>

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n-tv
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16.3.2011: <Japans Regierung zapft Reisreserven an - Situation in Fukushima ausser Kontrolle>

aus: n-tv online; 16.3.2011; http://www.n-tv.de/Spezial/Strahlung-erreicht-krebserregende-Werte-article2835141.html

<Im Atomkraftwerk Fukushima ist die Lage unbeherrschbar: Neue Feuer, stark erhöhte Strahlung und offenbar eine weitere beschädigte innere Reaktorhülle machen die Löscharbeiten akut lebensgefährlich. Die Helfer müssen das AKW-Gelände zwischenzeitlich wegen zu starker Strahlung verlassen. Die gemessenen Werte erreichen neue Rekordmarken. US-Truppen sowie Südkorea sollen helfen. Frankreich fordert seine Bürger bereits auf, Tokio zu verlassen. Hunderttausende sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt weiter ohne Strom, Essen und Wasser werden knapp.

Die Lage im Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima in Japan ist offenbar vollkommen außer Kontrolle. Nach weiteren Feuern an zwei Reaktoren und einem starken Anstieg der Strahlung mussten sich die Arbeiter am Mittwoch aus dem Kraftwerk zurückziehen und ihre Arbeiten vorerst einstellen. Die Regierung forderte auch im Ausland Hilfe an. Östlich von Tokio gab es ein Nachbeben mit der Stärke 6,0 auf der Richterskala, in der Hauptstadt wankten Gebäude. Eine Tsunami-Warnung gab es indes nicht.

Am Mittwoch fingen sowohl Reaktor 4 als auch Reaktor 3 Feuer. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie stundenlang dichte Rauchschwaden von der Anlage aufstiegen. Reaktor 3 gilt als der gefährlichste der sechs Blöcke, weil sich dort nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace Plutonium befindet.

Die radioaktive Strahlung auf der Anlage erreichte neue Rekordmarken. Japan wandte sich nun auch an die USA. Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Edano. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete zudem, dass die Regierung auch dem Einsatz ausländischer Ärzte für die Erdbebenopfer zustimme. Südkorea will einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken. Damit sollen die schwer beschädigten Atomreaktoren im Kraftwerk stabilisiert werden.

Löscharbeiten unmöglich

Zuvor überschlugen sich die Schreckensnachrichten: Zunächst fing am Mittwochmorgen Reaktor 4 Feuer, ausgelöst vermutlich durch eine Wasserstoffexplosion, wie der Sender NHK berichtete. Auch von Reaktor 3, wo Brennstäbe mit hochgiftigem Plutonium gelagert sind, stieg wenig später Rauch auf. Auf eine Explosion dort gebe es aber keine Hinweise, sagte Edano auf einer Pressekonferenz. Später hieß es, der Druck im Reaktormantel von Block 3 sei stabil geblieben.

In dem Unglücks-Atomkraftwerk gab es seit dem Tsunami am Freitag in den Reaktoren 1 bis 4 mehrere Explosionen und Brände. Am Dienstag hatte es schon geheißen, dass die Reaktorhülle in Block 2 beschädigt sein könnte. Dieser Schaden könnte nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde auch der Grund für die hohe Strahlung sein. Der Tsunami hatte das Kühlsystem des Atomkraftwerks zerstört, weshalb die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden können. Eine Kernschmelze wird seit Tagen vermutet.

Löscharbeiten waren am Mittwochmorgen (Ortszeit) offensichtlich unmöglich. Erst sollten Hubschrauber zum Löschen eingesetzt werden. Dies sei aber zu gefährlich, sagte Edano. Auch sei die Strahlung zu hoch, als dass Mitarbeiter auf das Gelände könnten. Ob nun alle verbliebenen Mitarbeiter endgültig abgezogen werden sollen, war unklar. Im Fernsehsender NHK sagte ein Sprecher der Atomaufsicht, die Menschen könnten nicht mehr in den Kontrollraum. Sie seien in sichereren Räumen untergebracht.

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, dass der Rauch am Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen könnte. Am Sonntag war in dem Reaktor die Kühlung ausgefallen. Danach explodierte freigewordener Wasserstoff. Das äußere Gebäude wurde zerstört.

Strahlung erreicht Rekordmarke

Die Strahlung an dem Atomkraftwerk erreichte in der Nacht zu Mittwoch den Höchstwert von 1000 Millisievert (1 Sievert), berichtete Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen. 1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf.

Für die zusätzliche künstliche Strahlenbelastung, etwa in der Industrie, senkte der Gesetzgeber im Jahr 2001 den Grenzwert für die Jahresdosis von 1,5 auf 1 Millisievert. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz können bei einem Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome auftreten.

Auch nach den neuen Vorfällen gebe es keine Pläne, die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Aktuell gilt ein 30-Kilometer-Radius. Anwohner, die diese Zone trotz der Evakuierungsanordnung noch nicht verlassen haben, sollen Türen und Fenster geschlossen halten.

Japan bleibt bei niedriger Einstufung

Bereits am Dienstag hatte Frankreich die Atomkatastrophe in Japan auf die zweithöchste Stufe in der Internationalen Bewertungsskala (INES) gestellt. Das Geschehen sei mit Stufe 6 von 7 zu bewerten, teilte der Präsident der Französischen Atomsicherheitsbehörde, André-Claude Lacoste, mit. Frankreich ist wortführend bei der Beurteilung von nuklearen Unfällen. Stufe 6 bedeutet eine erhebliche Freisetzung von Radioaktivität und eine umfangreiche Durchführung von Katastrophenschutzmaßnahmen. Der Super-GAU in Tschernobyl steht auf der obersten Stufe 7. Auch ein unabhängiges US-Forschungsinstitut stufte die Nuklearkatastrophe in Japan inzwischen auf der Störfallstufe 6 von 7 ein.

Die japanische Behörde für Atomsicherheit blieb indes bei ihrer Einschätzung, dass die Vorfälle mit der Stufe 4 zu bewerten seien. "Es gibt hier keine Diskussion über eine Höherstufung", sagte ein Behördenvertreter.

Radioaktivität in Tokio verzehnfacht

Je nach Windrichtung könnte die Strahlung auch eine Katastrophe für den Großraum Tokio mit 35 Millionen Menschen bedeuten. In der etwa 250 Kilometer von Fukushima 1 entfernten Hauptstadt stieg am Dienstag die Strahlung auf das Zehnfache. Frankreich forderte seine Bürger in Tokio auf, das Land zu verlassen oder sich in den Süden Japans zu begeben. Man habe die Air France gebeten, bei der Evakuierungsaktion zu helfen. Zwei Maschinen seien bereits auf dem Weg.

Schon am Dienstag verließen zahlreiche Menschen die Hauptstadt. Es kam trotz aller Appelle der Regierung, Ruhe zu bewahren, zu Hamsterkäufen. In Tokio wurden Lebensmittel, Radios, Kerzen, Taschenlampen und Schlafsäcke knapp. Trotz der zehnfach erhöhten Strahlung bestehe jedoch keine Gefahr für die Gesundheit, versuchte der Gouverneur der Stadt zu beruhigen. Japaner und Ausländer versuchten trotzdem, den Ballungsraum Tokio zu verlassen. Auf dem Flughafen Haneda warteten Hunderte Frauen mit ihren Kindern auf einen Flug.

Die deutsche Botschaft verstärkte ihre Hilfe für Deutsche, die in den Süden ausweichen oder das Land ganz verlassen wollen. Die Lufthansa wird Tokio vorerst nicht mehr anfliegen. Firmen wie SAP und BMW holten Mitarbeiter nach Deutschland zurück. Deutsche Medien ziehen ihre Reporter zum Teil aus Tokio ab. Einige werden aus weiter südlich gelegenen Landesteilen ihre Berichterstattung weiterführen.

Cäsium 137, radioaktives Jod und Strontium

Greenpeace-Experte Tobias Münchmeyer sprach von einer "neuen Dimension" nach den Explosionen in Fukushima. Zu Parallelen zwischen Fukushima und Tschernobyl: "Die Frage ist jetzt, ob und wenn ja, wie schnell und wie viel Radioaktivität frei wird", sagte er bei n-tv. Auch wenn sich die japanischen Reaktoren in der Bauweise von Tschernobyl unterschieden, "haben wir in beiden Fällen eine unvorstellbar große Menge an Radioaktivität, die frei werden könnte und die natürlich auch im Falle von Japan große Teile der Umgebung ganz stark radioaktiv verseuchen könnte."

Radioaktivität aus den japanischen Atomkraftwerken kann nach Angaben von Prof. Christoph Hoeschen vom Helmholtz Zentrum München nur im Extremfall auch eine Gefahr für Deutschland werden. "Wenn in einer der Reaktoren der innere Reaktorbehälter wirklich explodiert und dadurch radioaktive Stoffe hinausgeschleudert werden, können die weit transportiert werden", er. In Japan habe es aber noch keine große Explosion dieser Art gegeben.

Wasser und Essen fehlt

Die Versorgungslage in Teilen des Landes wird derweil immer schlimmer: Die Regierung rief die Bevölkerung auf, keine Hamsterkäufe mehr an Tankstellen zu machen und Energie zu sparen. Die Menschen sollten ihren Gas- und Treibstoffverbrauch einschränken, sagte Edano. Derzeit werde alles versucht, um dringend benötigtes Gas und Kraftstoffe in die Katastrophengebiete zu bringen. Die japanische Regierung erklärte sich inzwischen bereit, die Reisreserven anzubrechen und wo nötig zu verteilen.

Die offizielle Zahl der Toten in Folge des Erdbebens und Tsunamis steht derzeit bei 3373. Das meldete der TV-Sender NHK am Mittwochmorgen unter Berufung auf die Polizei. Die Zahl der Vermissten geht nach wie vor in die Tausende. Weiter hieß es, dass 440.000 Menschen in 2400 Notunterkünften lebten. Dort mangele es teilweise am Nötigsten wie Wasser oder Essen. Zudem seien im Nordosten Japans 850.000 Haushalte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch immer ohne Strom, meldete NHK nach Angaben des Energieversorgers Tohuku. Die Naturkatastrophen hätten 76.000 Gebäude beschädigt und mindestens 6300 weitere komplett zerstört.

Nach Vorhersagen der japanischen Wetterbehörde soll der Wind in den kommenden Stunden Richtung Osten und somit hinaus auf das Meer wehen. Im Großraum Tokio, 260 Kilometer südlich von Fukushima gelegen, geht die Angst vor einer radioaktiven Wolke um.

dpa/rts/AFP>


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16.3.2011: <Schluss mit höflich! Japans Selbstbetrug muss enden>

Desinformation in allen Lebensbereichen - das ist Japan. Vielleicht kommt jetzt der Durchbruch, mit der Wahrheit zu politisieren. Aber lesen Sie selbst:

http://www.welt.de/debatte/article12849212/Schluss-mit-hoeflich-Japans-Selbstbetrug-muss-enden.html

<Der Autor ist Politologe, Philosoph, Autor, Verleger und IT-Unternehmer. Er schreibt an einem historischen Japan-Roman über den deutschen Arzt Philipp Franz von Siebold

Japans Staat, Politik und Gesellschaft verharrten zu lange in vormodernem Denken. Die Katastrophe deckt den Schwindel auf.

Die Tragödie, die sich gerade in Japan abspielt, scheint metaphysische Ausmaße anzunehmen. Als ob der wilde Sturm- und Meeresgott Susanoo in seinem gefürchteten Zorn alle Elemente gegen die Menschen aufgepeitscht hätte. Doch was wie eine Naturkatastrophe aussieht, ist in großen Teilen reines Menschenwerk.

Die Ereignisse markieren jedenfalls eine weitere Stufe im Abstieg des einst so reichen wie schönen Inselreichs und das Ende des japanischen Traums, das Ende von „Wakon Yosai“. So lautete seit der Meiji-Restauration von 1868 die Parole der Modernisierer, und sie bedeutet „Japanischer Geist, westliche Technologie“.

Japan wollte den technischen Fortschritt um jeden Preis, aber nicht im Paket mit Aufklärung, Kritik, Öffentlichkeit, Demokratie und sozialem Fortschritt, sondern mit dem fabrizierten Mythos von japanischer Eigentümlichkeit, Identität und Tradition, vom dem sich viele Japan-Experten auch heute noch blenden lassen.

Mit dieser Katastrophe werden wir Japan besser kennenlernen, denn das Land wird viel Hilfe aus dem Ausland brauchen. Ich habe mich lange mit dem alten Japan und dem Beginn der japanischen Moderne im 19. Jahrhundert beschäftigt. In den letzten Jahren war ich geschäftlich in Japan tätig und wurde 2008 von der EU-Kommission im Rahmen des Executive Training Programme (www.etp.org) zum Japan-Spezialisten ausgebildet.

Das beinhaltete eine umfassende Schulung an der Waseda-Universität in allen aktuellen Fragen japanischer Kultur, Wirtschaft, Produktion, Industrie, Finanzen und Politik. Ich kenne daher das alte und das neue Japan gleichermaßen und liebe dieses Land, vor allem seine Menschen. Doch gerade in Kenntnis der faszinierenden Vergangenheit fand ich vieles an der japanischen Gegenwart erschreckend.

Umweltsünden als Konjunkturprogramm

Genauso ging es dem amerikanischen Japanologen, Kunst-, Architektur- und Umweltexperten Alex Kerr. Er ist der kompromissloseste von allen Japan-Beobachtern und hat mit „Dogs and Demons. The Fall of Modern Japan“ ein Schwarzbuch über den selbst verschuldeten Niedergang Nippons geschrieben.

Mit dem traurigen Sarkasmus des enttäuschten Liebhabers berichtet er zunächst über die Zerstörung der einst herrlichen japanischen Natur: das sinnlose Betonieren der Küsten und Flüsse, das in den 90er-Jahren als Konjunkturprogramm gestartet wurde; der Bau unzähliger nutzloser und viel zu groß dimensionierter Straßen und Brücken; die Abholzung des alten Mischwaldes zugunsten einer Monokultur aus Zedern, deren Pollen hochallergen sind; graue Häusermeere, die entlang der großen Bahntrassen über viele Hundert Kilometer plan- und formlos in die Landschaft gekippt worden sind.

Kerr fasst deprimiert zusammen, das moderne Japan pflege in allen Aspekten, einschließlich Kunst, Kultur und Architektur, nur noch eine naive Ideologie der mystischen Einheit mit der Natur, während es seine Umwelt längst sehenden Auges zerstört hat.

Ich kann das alles nur bestätigen und hier beispielhaft ein Detail hinzufügen. Japan ist die einzige Industrienation, die ihre Kabel für die lokale Stromversorgung immer noch überirdisch führt. Der Strippensalat und die hässlichen Transformatoren an den Betonmasten verschandeln landesweit die Dörfer und Städte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man das Geld für die Verlegung der Kabel unter die Erde sparen, und in den 90ern wurde daraus sogar noch ein großes Geschäft gemacht. Absurderweise wurde die veraltete Art der Stromführung damit gerechtfertigt, dass unterirdische Kabel erdbebenanfällig seien. Dass das Gegenteil davon stimmt, das sieht man heute an den Bildern der komplett zerstörten Infrastruktur für die Stromzufuhr an der vom Tsunami getroffenen Küste.

Desinformation in allen Lebensbereichen

Diese Umweltsünden sind aber nur Symptome einer viel tiefer sitzenden Fehlkonstruktion, die von den Exporterfolgen und dem rasanten Aufstieg zur wirtschaftlichen Weltmacht übertüncht wurden. Diese Fassade begann Mitte der 90er-Jahre zu bröckeln.

Seitdem hat das Land praktisch alles falsch gemacht. Das politische System, bestehend aus Marionetten der Parteien und komplett beherrscht vom Beamtentum in den Ministerialverwaltungen, versuchte in dieser Krise gar nicht erst Reformen, sondern baute eine gigantische Scheinwelt auf. Der Staat begann sich zu verschulden, um marode Unternehmen und Banken zu retten und die Umweltzerstörung zum unproduktivsten Arbeitsbeschaffungsprogramm aller Zeiten zu machen.

Die Desinformation wurde in allen Lebensbereichen zum Programm, und eine weitgehend gleichgeschaltete Presse, die keinen investigativen Journalismus kennt, berichtete nur, was aus den PR-Abteilungen der Ministerien kam. Das betraf auch alle bisherigen Zwischenfälle in Atomkraftwerken, die regelmäßig heruntergespielt wurden. Donen, eine staatlich finanzierte Agentur zur Verwaltung des japanischen Atomprogramms, produzierte nach einem bekannt gewordenen schweren Reaktorunfall im Schnellen Brüter bei Tsuruga 1995 einen kleinen Zeichentrickfilm, der Kindern beibringen sollte, dass man Plutonium-Wasser ruhig trinken könne.

Gleichmut oder Gleichgültigkeit?

Wenn man das alles zusammenzählt mit dem Problem der rasanten Überalterung, der rigiden Abschottung gegenüber Zuwanderung, der dramatischen Ineffizienz des Dienstleistungsbereichs wegen entscheidungsfeindlicher Organisationsformen, einer Arbeitswelt, die vom Senioritäts- statt vom Leistungsprinzip beherrscht wird und so inzwischen ein Drittel aller jüngeren Arbeitnehmer nur noch über prekäre Zeitverträge einbindet, einem defekten konstitutionellen Rahmen, der wirkliches Regieren kaum zulässt, und einem Schuldenberg, der einen Staatsbankrott fast unumgänglich macht – dann wird klar, welch enormes Problem Japan hat.

Diese Verblendung und Verleugnung auf höchstem Niveau funktionierte bisher allerdings nur, weil die Japaner die Tugenden der Höflichkeit, Gleichmut und Ordentlichkeit, die viele Kommentatoren gerade an ihnen bewundern, so sehr verinnerlicht haben.

Man könnte es aber auch Apathie, Gleichgültigkeit und Passivität nennen. Jetzt muss jedenfalls Schluss sein mit höflich! Japan braucht nach dieser Katastrophe, wie schlimm sie auch noch werden mag, endlich eine lange überfällige kulturelle, soziale und politische Revolution. Sonst wird das Land nie in der Moderne ankommen.>

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China 16.3.2011: Alle Atomprojekte werden neu übeprüft

China will seine Kernenergie verachtfachen. China ist auf der falschen Welle - und wird auch noch ein Fukushima erleben. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online: China: Pläne werden überprüft: China stoppt Atomprojekte; 16.3.2011; http://www.n-tv.de/politik/China-stoppt-Atomprojekte-article2861061.html

<Noch am Montag hatte Chinas Volkskongress den Bau von Kernkraftwerken mit 40 Gigawatt Leistung beschlossen. Jetzt wirft Peking das Ruder herum: Erst kommt ein Sicherheitscheck.

China hat die Genehmigungsverfahren für alle Atomprojekte auf Eis gelegt. Die Regierung zog damit bei einer Krisensitzung die Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan. Jetzt müssten die Sicherheitsbestimmungen überarbeitet werden, erklärte das Kabinett laut der Nachrichtenagentur Xinhua.

In Betrieb befindliche AKWs werden nicht abgeschaltet. Jedoch sollen alle laufenden Reaktoren und Reaktorbaustellen auf die Sicherheit hin überprüft werden. Bisher sind 13 Reaktoren mit 10,8 Gigawatt Leistung im Betrieb, 25 im Bau und 50 in Planung.

Die Regierung versicherte, die radioaktive Belastung durch das havarierte japanische Kernkraftwerk Fukushima werde "die Gesundheit der Menschen in China nicht beeinträchtigen". Peking werde die Zusammenarbeit mit Tokio verstärken und Chinesen bei der Ausreise aus den japanischen Katastrophengebieten helfen.

Nirgendwo in der Welt werden so viele Kernkraftwerke gebaut wie in China. In den kommenden zehn Jahren sollen die Kapazitäten verachtfacht werden. Erst am Montag hatte der Volkskongress beschlossen, allein in den nächsten fünf Jahren mit dem Bau von rund 40 Reaktoren zu beginnen. Einige der Delegierten betonten aber, China sollte der Sicherheit von Kernkraftwerken mehr Aufmerksamkeit schenken.

Der weltgrößte Energieverbraucher China will mit Kernkraft seine Engpässe bewältigen und die Abhängigkeit von Kohle und Ölimporten verringern. Außerdem will Peking den Ausstoß des "Klimakillers" Kohlendioxid verringern.

dpa>

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16.3.2011: Der Supergau kann auch in Deutschland jeden Tag passieren - so Atomexperte Pflugbeil

aus: n-tv online: Atomexperte über AKW in Deutschland: "Es kann jeden Tag passieren"; 16.3.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Es-kann-jeden-Tag-passieren-article2854506.html

<Die katastrophalen Vorgänge in Japan ziehen auch in Deutschland eine Atomdiskussion nach sich. Die Regierung rudert in ihrem Atomkurs zurück, dennoch wird immer wieder behauptet: So etwas wie in Japan kann bei uns nicht passieren – "unsere Atomkraftwerke sind sicher". Der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Physiker Sebastian Pflugbeil, erklärt im Gespräch mit n-tv.de, warum wir auch in Deutschland nicht vor Ereignissen wie denen in Japan gefeit sind, und warum wir bei weitem nicht ausreichend auf den Ernstfall vorbereitet sind.

Herr Pflugbeil, ich frage ganz direkt: Sind die Atomkraftwerke hierzulande sicher?

In jedem Reaktor in Deutschland kann es zu einer schweren Kernschmelze kommen, auch mit einer Reaktordruckgefäßzerstörung. Der ganze radioaktive Mist kann frei werden. Und das ist keine Greenpeace-Phantasterei, sondern kerntechnisches Know-How. Jeder Kerntechniker weiß, dass das so ist.

Was bedeutet das?

In einem Radius von 400 bis 500 Kilometern würde das radioaktive Material wieder runterkommen - und zwar kräftig. In Deutschland ist die Bevölkerungsdichte auch sieben bis zehn Mal höher als in Tschernobyl. Die Emissionen aus den deutschen AKW werden zum Teil bei so einem schweren Unfall höher angegeben als das, was in Tschernobyl rausgekommen ist.

Auch hier herrscht also eine ständige Gefahr.

Ja, das kann in Deutschland jeden Tag passieren. Völlig unabhängig davon, was für ein Reaktortyp das ist. Durch Terroranschläge, Bedienungsfehler, Materialermüdung oder Erdbeben - die Ursachen für so eine Katastrophe können vielfältig sein. Eine Kopplung von Tsunami und Erdbeben ist hierzulande unwahrscheinlich. Aber suchen Sie sich eine der anderen Kombinationen aus. Das es passieren kann, ist unstrittig.

Der Physiker Sebastian Pflugbeil ist Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz.

Wie sind wir für den Ernstfall vorbereitet?

Ganz schlecht. Es gibt in Deutschland nicht einmal mehr Alarmsirenen. Die sind nach dem Ende des Kalten Krieges abmontiert worden. Man hat also schon das Problem, die Leute überhaupt zu erreichen.

Notfallpläne gibt es keine?

Doch, es gibt Notfallpläne für eine Evakuierung und Verteilung von Jodtabletten. Die betreffen aber meines Wissens nur einen Umkreis von 10 oder 20 Kilometer um das Kraftwerk - das ist völlig unzureichend. Schon die Verteilung der Jodtabletten ist ein logistisch ungelöstes Problem. Und dann stellen Sie sich mal vor, Hamburg muss evakuiert werden, weil eines von den drei oder vier Kernkraftwerken an der Elbe in die Luft geht. Das ist einfach nicht machbar.

Gibt es keine ausgebildeten Experten, die dafür zuständig sind?

Die dafür verantwortlichen Leute sind typischerweise extrem schlecht qualifiziert. Das sind ja Sesselpupser-Jobs. Die können den Ernstfall praktisch vorher nicht üben - und haben deswegen keine Erfahrung. Bei denen steht irgendwo im Regal ein Aktenordner mit einer Telefonnummer, die sie anrufen müssen. Erst wenn es gerumst hat, fangen die überhaupt an, darüber nachzudenken, was sie machen müssen. Das kann alles nicht funktionieren! Vor allem auch deswegen, weil die Atomkraftwerke in Deutschland sehr dicht an Ballungsgebieten stehen. Wir hätten mindestens die Schwierigkeiten, die sie nun in Japan haben.

Mit Sebastian Pflugbeil sprach Fabian Maysenhölder>

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Fukushima 17.3.2011: <Warum wir bereits einen Super-GAU haben> - der Rauch ist bereits der eines Supergaus mit Plutonium drin

Es brennen Brennstäbe mit hohem Plutoniumgehalt. Und somit ist der Rauch so zusammengesetzt wie bei der Explosion eines Kernreaktors. Und somit ist der Rauch derselbe wie bei einem Supergau. Aber lesen Sie selbst:

aus: Welt online; 17.3.2011; http://www.welt.de/wissenschaft/article12850209/Warum-wir-bereits-einen-Super-GAU-haben.html

<Autor: Norbert Lossau

Aus dem Unglücksreaktor Fukushima tritt massiv Radioaktivität aus. Auch ein Mundschutz hilft kaum. Am Ende wird man einen Sarkophag um das Kraftwerk bauen müssen.>



Kernkraftwerk Fukushima nach Bränden
                              und Explosionen am 17.3.2011: Zwei Meiler
                              sind explodiert, und es stömt
                              unkontrolliert Radioaktivität aus
Kernkraftwerk Fukushima nach Bränden und Explosionen am 17.3.2011: Zwei Meiler sind explodiert, und es stömt unkontrolliert Radioaktivität aus [10]
AKW Fukushima am 17.3.2011: Aus
                          dem Meiler Nr. 3 steigt nach der Explosion
                          weisser Rauch auf
AKW Fukushima am 17.3.2011: Aus dem Meiler Nr. 3 steigt nach der Explosion weisser Rauch auf


[Beim folgenden Interview wird leider nicht angegeben, wer die Antwort gibt, aber vielleicht ist es ein "Atomexperte"]:

<Aus dem Reaktor 3 in Fukushima stieg weißer Rauch auf. Warum ist dies besonders besorgniserregend?

Dort spielen sich offenbar chemische Reaktionen ab, die ein Indiz für eine Kernschmelze sind. Von offizieller Seite wird nicht ausgeschlossen, dass hier das Reaktordruckgefäß beschädigt ist und hoch radioaktive Substanzen austreten. Das wäre im Fall von Reaktor 3 besonders dramatisch, denn hier wurden Brennstäbe mit einem hohen Anteil an Plutonium verwendet. Plutonium-239 ist nicht nur aufgrund seiner Radioaktivität und der sehr langen Halbwertszeit von mehr als 24.000 Jahren gefährlich, sondern es ist überdies auch noch extrem toxisch.

Warum ist versucht worden, die havarierten Reaktoren von Hubschraubern aus mit Wasser zu kühlen? Sind diese Wassermengen nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Das kann man so sehen. Eine bereits eingetretene Kernschmelze lässt sich kaum mit einigen Kübeln Wasser eindämmen. Das Entscheidende bei dieser Aktion war allerdings die dem Wasser zugesetzte Borsäure. Das Halbmetall Bor ist ein chemisches Element, das besonders gut Neutronen absorbieren kann. Es soll also verhindern, dass in der Kernschmelze durch nukleare Kettenreaktionen noch mehr Hitze entsteht. Bei jeder Spaltung eines Uran- oder Plutoniumkerns werden ja Neutronen freigesetzt, die dann wiederum weitere Kerne zur Spaltung stimulieren können.

Warum sind die ersten Hubschrauberflüge dennoch abgebrochen worden?

Die offizielle Begründung dafür war, dass die Strahlenbelastung über den Reaktoren für die Hubschrauberpiloten mittlerweile zu hoch sei. Daraus lässt sich schließen, in welch dramatischem Umfang Radioaktivität entweicht. Die immer wieder geäußerte Sorge, dass ein Super-GAU eintreten könnte, klingt angesichts der offensichtlichen Lage vor Ort eigenartig. Dieses massive Austreten von Radioaktivität ist bereits ein Super-GAU.

Was kann jetzt noch getan werden, um die Lage vor Ort zu stabilisieren?

Nachdem alle Kühlversuche gescheitert und auch die Hubschrauberflüge mit dem borhaltigen Kühlwasser vorerst eingestellt worden sind, gibt es nunmehr kaum noch Handlungsoptionen. Im Prinzip werden derzeit die havarierten Reaktoren sich selber überlassen. Es muss also damit gerechnet werden, dass es in allen betroffenen Reaktoren von Fukushima zu Kernschmelzen kommen wird.

Welche Szenarien sind denkbar, wenn die Kernschmelzen sich selber überlassen bleiben?

In Kernschmelzen spielen sich außerordentlich komplexe physikalische Vorgänge ab. Es hängt von vielen Umständen ab, was mit ihnen konkret passiert. Eine wichtige Frage ist, ob es in dem Reaktordruckgefäß noch Wasser gibt, das durch die Hitze gespalten werden kann. Dann könnte also explosiver Wasserstoff entstehen, und weitere Explosionen wären denkbar. Dadurch würde noch mehr radioaktives Material in die Umwelt gelangen.

Die mehr als 2000 Grad heiße Kernschmelze könnte nach unten tropfen, das Reaktordruckgefäß durchbohren und schließlich auf die Betonplatte unter dem Reaktor gelangen. Eine Kernschmelze kann sich jedoch auch durch Beton fressen. Dabei würde dann das Risiko auftreten, dass das im Beton enthaltene Wasser durch die große Hitze zersetzt wird und wiederum Wasserstoff entstehen kann. Auch bei diesem Szenario könnte es also zu Explosionen kommen.

Was passiert, wenn sich die Kernschmelze durch den Betonboden in das Erdreich gefressen hat?

Unter dem Kernkraftwerk Fukushima soll es eine mindestens 200 Meter dicke Felsschicht aus Tongestein geben. Wenn diese Information zutreffend ist, würde die Schmelze sehr wahrscheinlich in dem Felsen stecken bleiben und nicht das Grundwasser gefährden. Selbst wenn die Schmelze auf Wasseradern treffen sollte, dürften diese so nah an der Küste in Richtung Ozean fließen, sodass die Radioaktivität ins Meer gelangen würde. Doch dies ist alles sehr spekulativ.

Welche Gefahr geht von radioaktiven Substanzen aus, die aus dem Reaktor in die Atmosphäre gelangen?

Das hängt zum einen von der tatsächlichen Menge an radioaktiven Stoffen ab, die in die Umgebung freigesetzt werden, und zweitens ganz maßgeblich von den Wetterbedingungen, also in erster Linie von der Windrichtung. Am Mittwoch wehte der Wind vorwiegend nach Osten, sodass die radioaktive Wolke aus dem Kernkraftwerk zum größten Teil hinaus auf den Pazifischen Ozean geweht wurde. Für die nächsten Tage werden ebenfalls östliche Winde vorhergesagt. In der aktuellen Situation sind solche Winde, die Radioaktivität weg vom japanischen Festland hinaus auf das Meer tragen, das vergleichsweise beste Szenario. Am schlimmsten wäre natürlich eine Windrichtung, die Radioaktivität in Richtung Tokio transportieren könnte.

[Verseuchte Fische]

Droht jetzt also auch eine radioaktive Verseuchung der Fische im Pazifischen Ozean?

Fische im Pazifik werden von der erhöhten Radioaktivität betroffen sein. Genaue Prognosen sind aber kaum möglich. Je nach Region und Fischart dürfte die Belastung sehr unterschiedlich ausfallen. Am Ende wird es hier wie bei vergleichbaren Fällen darauf hinauslaufen, dass die für den Verzehr bestimmten Fische zuvor auf ihre Aktivität hin gemessen werden. Hierzulande gibt es ganz klare Grenzwerte dafür, wie viel Radioaktivität in Lebensmitteln enthalten sein darf – maximal 600 Becquerel pro Kilogramm. Fisch, der diesen Wert überschreitet, dürfte also gar nicht verkauft werden.

Muss in Fukushima ein Sarkophag wie in Tschernobyl gebaut werden?

Es sieht ganz danach aus. Unabhängig davon, was in den nächsten Tagen noch in den Reaktorblöcken von Fukushima geschehen mag, ist schon jetzt klar, dass dort radioaktive Substanzen in großer Menge nicht mehr durch Schutzhüllen von der Biosphäre getrennt sind.

Sie bleiben also in jedem Fall ein großes Risiko für die Umwelt und menschliche Gesundheit. Da eine Bergung der radioaktiven Substanzen und insbesondere der Kernschmelze aus dem Reaktor nicht möglich scheint, wird eine Schutzhülle notwendig, die die strahlenden Stoffe auf Jahrzehnte hin sicher einschließt.

Wie stark ist die Gesundheit der Techniker gefährdet, die noch in der Kraftwerksanlage verblieben sind?

Wenn man die Strahlungswerte zugrunde legt, die bereits offiziell für den Kraftwerksbereich verlautbart wurden, dann würde ein Mensch bereits innerhalb von einer Stunde eine tödliche Dosis erhalten. Diese dramatische Situation war offensichtlich der Grund dafür, dass die allermeisten Mitarbeiter von der Kraftwerksanlage abgezogen worden sind.

[Mundschutz ist reine Show und nützt einen Humbug]

Man sieht im Fernsehen viele Japaner jetzt einen Mundschutz tragen. Schützt das vor Radioaktivität?

Die größte Gefahr geht im Moment vom radioaktiven Jod-131 aus. Dabei handelt es sich um ein Gas, das – wie die Luft zum Atmen – problemlos durch den Mundschutz hindurchgeht. Allerdings kann der Mundschutz kleinere Partikel abfangen, an denen möglicherweise radioaktive Atome (zum Beispiel Cäsium-137) haften. Wirklichen Schutz vor dem Einatmen von radioaktiven Substanzen bieten nur Atemschutzmasken mit entsprechenden Spezialfiltern.>

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Basler Zeitung online, Logo

17.3.2011: Fukushima: Wasserwerfer der Feuerwehr sollen helfen

aus: Basler Zeitung online: Versuchte Kühlung mit Hubschrauber; 17.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Leere-AKWBecken-sollen-mit-Wasserwerfern-gefuellt-werden/story/10001967?dossier_id=885

Japanischer Militärhubschrauber wirft Wasser über Reaktorblock 3 ab - Abklingbecken soll wieder gefüllt werden - neue Stromleitung für Fukushima-Daiichi angeblich fast fertig.  

  • 05:21 Uhr  

    Die japanischen Streitkräfte haben am Donnerstag die Bewässerung des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi wieder aufgenommen. Ein Militärhubschrauber vom Typ Chinook CH-47 habe über Reaktorblock 3 mindestens vier Ladungen Wasser abgeworfen, sagte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Kazumi Toyama. Möglicherweise habe sich jedoch ein Grossteil des Wassers bereits in der Luft zerstreut. Mindestens Dutzende weitere Wasserladungen sollten in den jeweils 40 Minuten abgeworfen werden, die eine Hubschrauberbesatzung arbeiten kann, ehe sie wegen der Strahlenbelastung abgelöst werden müsse, hiess es.

    Das Wasser solle einerseits den Reaktor kühlen und andererseits das Abklingbecken wieder auffüllen, erklärte Toyama. Der Kraftwerksbetreiber TEPCO hatte zuvor mitgeteilt, das Becken sei fast leer und die Brennstäbe würden sich immer weiter erhitzen.

    Äusserungen von US-Beamten zufolge gab es in einem anderen Reaktorblock von Fukushima-Daiichi ähnliche Probleme. Der Chef der US-Atomsicherheitsbehörde NRC, Gregory Jaczko, sagte in Washington, im Abklingbecken des Reaktorblocks 4 gebe es kein Wasser mehr. Japanische Beamte äusserten zwar ähnliche Sorgen bezüglich der Lage in Reaktorblock 4, erklärten aber, der Zustand dort sei nicht mit Sicherheit zu bestätigen. «Wir haben Angst, dass der Wasserstand in Reaktorblock 4 der niedrigste ist», sagte TEPCO-Mitarbeiter Hikaru Kuroda. Weil sich die Arbeiter dem Reaktorblock 4 nicht nähern könnten, sei es nur möglich, «die Lage visuell von weit weg» zu beobachten.

  • 00:02 Uhr  

    Wasserwerfer sollen Abklingbecken in Reaktor 4 kühlen

    Die Wasserwerfer würden es den Einsatzkräften ermöglichen, einen Sicherheitsabstand zu dem Komplex einzuhalten, sagte Minoru Ogoda von der Atomsicherheitsbehörde.

    Der Kraftwerkbetreiber Tokyo Electric Power Co. (Tepco) erklärte, man erwäge ausserdem den Einsatz von Militärhelikoptern, um die Reaktoren mit Wasser zu besprühen. Dieser Plan war zuvor wegen einer hohen Strahlenbelastung in der Luft aufgegeben worden.

    Spätestens am Freitag droht Japan nach Einschätzung französischer Atomexperten eine nukleare Verseuchung grösseren Ausmasses. Die Stunden bis dahin sind nach Darstellung der Fachleute entscheidend für die Kühlung der abgebrannten Brennelemente im Reaktor 4.

    Gelinge es nicht, das Abklingbecken bis dahin wieder aufzufüllen, werde eine «sehr bedeutende» Verseuchung die Folge sein, erklärte der Direktor für Anlagensicherheit beim Institut für Strahlenschutz und Nuklearsicherheit (IRSN), Thierry Charles: «In den nächsten 48 Stunden entscheidet es sich», sagte er vor Journalisten. (sda)>

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Welt
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17.3.2011: In Kalifornien steigt die Wut auf Japans radioaktive Wolke aus Fukushima

aus: Welt online: Atomkatastrophe: Anst vor Strahlung schürt in den USA Wut auf Japan; 17.3.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article12863196/Angst-vor-Strahlung-schuert-in-den-USA-Wut-auf-Japan.html

<Autor: Uwe Schmitt| 17.03.2011

In Kalifornien erwartet man erste radioaktive Partikel aus Japan. Mit der Sorge wächst der Ärger: Warum rief die Regierung nicht um Hilfe?

Wenn am Freitag, wie vorhergesagt, die ersten radioaktiven Isotope aus Fukushima die US-Westküste erreichen, werden Jodtabletten von San Francisco bis San Diego ausverkauft sein. Offenkundig misstrauen die Amerikaner den Verlautbarungen Japans wie in die Versicherungen der US-Behörden, ihre Gesundheit sei ungefährdet.

Apotheker in Kalifornien berichten von Hamsterkäufen und panischen Anrufen. Gegen die ausdrückliche Warnung der Gesundheitsbehörden in Kalifornien, die den Jodmitteln in hoher Dosierung Nebenwirkungen wie Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Blutungen zuschreiben.

Das aufgeschreckte Publikum hört im Fernsehen, dass US-Hubschrauberpiloten vor Hilfsflügen in die Region von Fukushima solche Tabletten einnehmen. Auf die ersten Wolken aus Japan würden weitere mit erhöhter Strahlung folgen, heißt es. Zeitversetzt trägt der Wind die freigesetzte Strahlung der Unfallserie über den Pazifik.

Einiges deutet darauf hin, dass das Mitgefühl mit den Opfern in Japan schwindet, je mehr eine eigene Bedrohung wahrgenommen wird. „Tödlich und verstrahlt für Jahrzehnte“, so beschrieb ein US-Regierungsbeamter gegenüber dem Sender ABC die schlimmsten Befürchtungen des Weißen Hauses.

Experten machen Japans Behörden schwere Vorwürfe

Der Ton gegenüber dem Freund und engsten Bündnispartner in Asien wird rauer. Es gibt anonyme, aber scharfe Kritik an der Informationspolitik der japanischen Regierung, an dem zu eigenmächtigen und inkompetenten Auftreten des Energiekonzerns Tepco, an der mangelnden Führung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA.

In einer CNN-Sendung am späten Mittwochabend erregten sich Experten darüber, wie das am meisten erdbeben- und tsunamigefährdetste Land der Erde sechs Atomreaktoren direkt am Meer und so nah beieinander errichten konnte, dass ein Störfall mit Bränden die ganze Anlage bedroht.

Es gibt Respekt für den Todesmut der „50 von Fukushima“, die unter Einsatz Ihres Lebens die Katastrophe im Zaum zu halten versuchen und erst recht für die zusätzlichen Freiwilligen, die zum Opfer bereit sind. Doch statt verzweifelt zu improvisieren, so die erzürnten Fernseh-Fachleute, hätten die Japaner lieber vor Tagen internationale Hilfe annehmen sollen, um das Reaktorunglück wirksam zu bekämpfen.

Der Vorwurf, entscheidende Stunden durch Zögern und Geheimniskrämerei vergeudet zu haben, statt offen zu reden und sich helfen zu lassen, ist exakt derselbe, der viele Japaner nach dem Beben von Kobe im Januar 1995 bestürzte und beschämte. Gerade weil er gerechtfertigt war.

Wikileaks-Enthüllungen fachen den Zorn an

Dazu passend auf beunruhigende Weise Enthüllungen des britischen „Telegraph“, der in den geheimen Botschafts-Depeschen die das Enthüllungsportal Wikileaks jüngst veröffentlichte, ebenso frühe wie fruchtlose Warnungen der IAEA an Japan findet.

Im Dezember 2008 soll die Behörde zu dem Befund gekommen sein, dass die Sicherheitsbestimmungen in den japanischen AKWs nicht mehr zeitgemäß seien und starke Beben „ernsthafte Probleme“ für die Kraftwerke mit sich bringen würden.

In einer Depesche von US-Diplomaten in Japan wird die Meinung eines Fachmannes wiedergegeben: „Er erklärte uns, dass in den vergangenen 35 Jahren die Sicherheitsregeln nur dreimal angepasst wurden, und dass die IAEA diese Regeln nun wieder prüfe.“

Taro Kono, ein Abgeordneter des japanischen Unterhauses, hat laut den geheimen Unterlagen US-Diplomaten im Oktober 2008 bestätigt, dass die japanische Regierung nukleare Störungen und Unfälle „vertusche“. Diese Einzelheiten zeichnen zumindest ein neues Bild von der Nuklear-Nation Japan, der man stets höchste Sicherheitsstandards nachsagte. Die nachträglichen Enthüllungen dürften auch das Zutrauen in die heutigen Erklärungen der Regierung mindern.

Japaner taugen nicht zu pittoresken Opfern

Der spürbar gereiztere Tonfall der US-Medien zum Thema Japan hat einen offenkundigen Grund: prominente, teuer bezahlte Moderatoren können sich nicht wie sonst bei Naturkatastrophen vor den Bildern des Grauens spreizen. Sie fürchten um ihre Gesundheit, und die japanischen Opfer spielen nicht mit bei einer Inszenierung, die vor allem Rührung stiften soll.

Zu stoisch, zu karg sind die Berichte der Menschen; viele sind dazu alt, also wenig attraktiv für US-Zuschauer. Denen lässt man verlegen erklären, dass die Japaner sich in „gaman“ übten. In Würde und Ruhe das Unvermeidliche hinzunehmen und dabei das Gemeinwohl über das eigene Streben zu stellen. Das klingt für viele sehr nach kommunistischer Massenhypnose.

Unangenehm fremd für Amerikaner, die sich auf Individualismus, Tatkraft und zur Not auch krassen Egoismus viel zu Gute halten. Wenn man Amerikaner die Krise in Japan nur managen ließe, so klingt durch, wäre die Sache längst unter Kontrolle.

US-Reporter inszenieren "Rettung" von Amerikanern

Da die Japaner so gar nicht zu pittoresken Opfern taugen, verlegen sich die eingeflogenen US-Fernsehreporter auf Familienzusammenführungen. Sie stöbern Amerikaner auf, die noch nicht zu Hause anrufen konnten und zelebrieren ihre Hilfe als Heldentat und Wunder.

Das Gewese um die paar so mit Liveschaltung in die Heimat beglückten Amerikaner (keiner wurde bei dem Beben verletzt) ging so weit, dass der NBC-Nachrichtensprecher Brian Williams sarkastisch seine Kollegin in Japan fragte: „Kannst Du mir sagen, wie um alles in der Welt gewöhnliche Japaner, ohne die Hilfe der netten Leute von den US-Sendern, ihre Lieben finden sollen, die vermisst sind oder vielleicht schon tot?“

Geschmacklose Witze

Während aus den Rührklischees vor allem Verlegenheit spricht, überbieten sich einige dummdreiste Amerikaner mit mitleidlosen Katastrophen-Witzen. Der Komiker Gilbert Gottfried fand es lustig zu sagen: „Japaner sind wirklich weit entwickelt, die lassen den Strand zu sich kommen statt hinzugehen.“

Und: „Ich habe mich gerade von meiner Freundin getrennt, aber, wie die Japaner sagen, eine neue dürfte jede Minute vorbeitreiben.“ Gottfried, der es als Stimme einer Ente in der TV-Werbung zu Prominenz brachte, wurde von dem Versicherungskonzern Aflac, der in Japan gute Geschäfte macht, gefeuert.

Das gleiche Schicksal ereilte den Pressesprecher von Haley Barbour, Gouverneur von Mississippi. Der Sprecher schrieb auf einer Webseite, Otis Reddings klassischer Hit „(Sittin’ on) The Dock Of The Bay“ sei zurzeit „kein großer Erfolg in Japan“. Man hofft, dass der Mann nun mit viel freier Zeit selbst auf der Mole sitzt und sich verflucht. Andere Witzbolde in den USA sind gewarnt.>

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Basler Zeitung online, Logo

Fukushima 18.3.2011: <Techniker werden offenbar zur lebensgefährlichen Arbeit gezwungen> - auf Befehl des Präsidenten Kan

aus: Basler Zeitung online; 18.3.2011;
http://bazonline.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Techniker-werden-offenbar-zur-lebensgefaehrlichen-Arbeit-gezwungen/story/28070732?dossier_id=885

<Aus einem der beschädigten Reaktoren im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi dringt weisser Qualm nach aussen. Nun wird auch klar, dass die Techniker am Fukushima I nicht freiwillig ausharren.

Zeitung: Angestellte müssen bleiben

Die japanische Regierung hat den Betreibern des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Wie die Zeitung «Mainichi Shimbun» berichtet, äusserte der Energieversorger Tepco am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten. Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es «schwierig» sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen.

Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen. «Eine Abberufung ist unmöglich», zitierte die Zeitung Kan. «Es geht nicht darum, ob Tepco kollabiert, es geht darum, ob Japan zusammenbricht», soll er demnach entgegnet haben. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der Betreibergesellschaft sagte dem Blatt, dies bedeute, die Arbeiter sollten sich der Strahlung aussetzen und «sterben».

In der Anlage Fukushima 1 waren bis zu dem Erdbeben vor einer Woche bis zu 5000 Menschen tätig. Offiziell hat Tepco bisher nicht erklärt, wie viele Arbeiter noch auf dem Gelände des Kraftwerks sind. Berichten zufolge sollen es etwa 70 sein. (AFP)>

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n-tv
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19.3.2011: <12.53 Radioaktives Jod in Tokios Trinkwasser> und ebenso in Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata in Zentraljapan

http://www.n-tv.de/Spezial/Radioaktives-Jod-in-Tokios-Trinkwasser-article2810866.html

<Behörden entdecken im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von Radioaktivität. Es handele sich Spuren von radioaktivem Jod, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Vertreter des Wissenschaftsministeriums. Ungewöhnlich hohe Werte von radioaktivem Jod seien zudem im Trinkwasser der zentraljapanischen Präfekturen Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata festgestellt worden. Allerdings lägen die Werte in allen Fällen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert.>

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20 minuten online, Logo

Fukushima 19.3.2011: Trinkwasser ist über dem Grenzwert radioaktiv verseucht - in Tokio bisher noch unter dem Grenzwert

aus: 20 minuten online: Desaster in Japan: "Potenzial für schlimmste Katastrphe"; 19.3.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/-Potenzial-fuer-schlimmste-Katastrophe--16531843


Trinkwasser in Fukushima und in Tokio mit Spuren von radioaktivem Jod

<Japanische Behörden haben am Samstag bekannt gegeben, dass in der Präfektur Fukushima radioaktives Jod im Trinkwasser festgestellt wurde, dessen Strahlung über dem gesetzlichen Höchstwert liegt. Zuvor war bereits in der Millionenmetropole Tokio radioaktive Belastung im Leitungswasser gemessen worden - dort allerdings nach offiziellen Angaben unterhalb der Grenzwerte.>

<Auch im Trinkwasser von Tokio sind Spuren von radioaktivem Jod aufgetaucht, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Auch in der Provinz Gunma seien «sehr geringe Mengen von radioaktivem Material» im Trinkwasser gefunden worden, schrieb die Agentur Jiji Press. Die Präfektur grenzt an die Provinz Fukushima, in der Atomreaktoren ausser Kontrolle geraten sind. Es blieb unklar, wie die radioaktiven Partikel über die Distanz in das Trinkwasser von Gunma gelingen konnten und ob sie überhaupt aus dem AKW Fukushima stammen. Radioaktive Strahlung tritt sonst auch zum Beispiel in Spitälern und Laboren auf. Die radioaktive Strahlung in Trinkwasserproben von Gunma sei weit unter den japanischen Grenzwerten, teilte die Provinzregierung von Gunma mit. Es sei kein Problem, das Wasser zu trinken. Die Proben von Gunma vom Freitag enthielten demnach 2,5 Becquerel pro Kilogramm Iod 131, 0,22 Bq Caesium-137 und 0,16 Kilogramm-134. Für das belastete Wasser in Tokio gab es zunächst keine Angaben. Zum Vergleich: Die deutschen Grenzwerte für Milch und Säuglingsnahrung liegen deutlich höher - bei 370 Becquerel (Cäsium 134/137) pro Liter.>

Weitere Details:

<Wissenschaftler zeichnen ein düsteres Zukunftsszenario: Die Katastrophe in Japan könne die folgenreichste aller Zeiten sein. In Fukushima ist das Trinkwasser radioaktiv verseucht.>

Strahlenwerte um Fukushima: <Das japanische Wissenschaftsministerium hat die neuesten Messwerte aus der Nähe der Sperrzone veröffentlicht. 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima I sind Strahlenwerte von bis zu 140 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Zum Vergleich: Ein Astronaut im Weltraum nimmt (nur) 10 Mikrosievert pro Stunde auf.>

Einstufung des Vorfalls in Fukushima: <
Die französische Nuklearsicherheitsbehörde stuft die atomare Katastrophe in Fukushima inzwischen mit der Stärke 6 ein. Insgesamt gibt es 7. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte auf der Skala die Stufe 7 erreicht.>

Tokio ist bedroht: <
In der Nähe von Tokio stieg die radioaktive Belastung inzwischen auf das zehnfache Niveau der üblichen Strahlung.>

Der Wind hat gegen Tokio gedreht: <
Zudem hat der Wind nach Südwesten gedreht: Die radioaktive Wolke treibt nicht mehr aufs offene Meer, sondern aufs Festland.>

Präsident Kan ist hilflos: <
Ministerpräsident Naoto Kan erklärte, dass in Reaktor 4 der Atomanlage ein Feuer ausgebrochen sei, dort sei zudem eine «deutlich erhöhte» Radioaktivität gemessen worden.>

<Nach einem Brand in Reaktor [4] ist die Strahlung um die Anlage «beträchtlich gestiegen».>

<Die Regierung liess Jod-Tabletten verteilen, die die Folgen einer Verstrahlung mildern können.>

Evakuierung um Fukushima: <
Nachdem die Regierung schliesslich offiziell den Evakuierungsradius um das Atomkraftwerk Fukushima von 10 auf 20 Kilometer ausweitete, machten sich Tausende Japaner auf die Flucht.>

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n-tv
                    online, Logo

19.3.2011: Tschernobyl und Fukushima: Expertin Dörte Siedentopf sagt die Krankheiten für Japan voraus

Akute Verstrahlung - schneller Tod. Niedrigstrahlung und Krankheiten der Niedrigverstrahlten - langes Siechtum. Cäsium ist ähnlich dem Kalium, und das Cäsium zerstört dann den Energiehaushalt der Zellen von Organen (Leber, Niere, Gehirn etc.). Die Zellen stecken sich dabei gegenseitig an, und es beginnt das Siechtum. Die bösartigen Erkrankungen kommen bei Kindern ab 1 bis 4 Jahren, weil heranwachsende Kinder mehr Zellteilungen haben, bei Erwachsenen ab 20 bis 25 Jahren. Auch Eierstöcke und Spermazellen werden durch Cäsium geschädigt.

aus: n-tv online: Das leise STerben: Horrorszenario wartet auf Japan; 19.3.2011;
http://www.n-tv.de/Spezial/Horrorszenario-wartet-auf-Japan-article2887296.html

<Dörte Siedentopf bereist seit 20 Jahren verstrahlte Regionen rund um Tschernobyl. Dort und auch hier in Deutschland hilft sie Betroffenen der Katastrophe. Frau Siedentopf ist Mitglied des IPPNW, der internationalen Ärztevereinigung für die Verhütung des Atomkrieges. Mit n-tv.de spricht sie über das traurige Leben und leise Sterben in den Dörfern Weißrusslands [in der weiteren Umgebung nördlich von Tschernobyl] und über das, was auf die Japaner nach dem Reaktorunfall von Fukushima zukommen könnte.

n-tv.de: Aus Ihren Erfahrungen, die Sie seit 20 Jahren mit den Strahlenopfern von Tschernobyl machen, wüsste ich gerne von Ihnen, was auf die Menschen in Japan zukommt.

Cäsium, Jod, Strontium ...

Dörte Siedentopf: Neben den ganz akuten Verstrahlungen, denen die Liquidatoren, also die Arbeiter im Atomkraftwerk, ausgesetzt sind und deren Schicksal sich jeder ausmalen kann, gilt unser Augenmerk insbesondere jenen Tausenden oder Hunderttausenden von Menschen, die der Niedrigstrahlung ausgesetzt sind. Bei all den schlimmen Bildern dieser Katastrophe und den Geschichten über jene Männer, auf die ein mehr oder weniger schneller Tod oder ein langes Siechtum wartet, vergessen wir viel zu schnell die Erkrankungen, die sich über Jahre in den Körpern der Niedrigverstrahlten ausbreiten.

Gibt es schon konkrete Angaben über eine atomare Verseuchung im Umfeld der Kraftwerke von Fukushima?

Verlässliche Informationen dazu gibt es leider kaum. Jüngst erreichten uns Nachrichten, wonach Cäsium an die Umwelt abgegeben worden sein. Dies möchte mal als ein Beispiel heranziehen:

[Das Cäsium ist dem Kalium ähnlich]

Das Cäsium ist dem Kalium biologische ähnlich und der menschliche Körper kann nicht zwischen dem guten Kalium und dem Cäsium unterscheiden. Der Körper nimmt es über die Atmung und die Nahrung auf. Man kann sich nicht davor schützen. Nach der Aufnahme baut sich das Cäsium selbstständig in die Körperzellen ein und zerstört dort den Energiehaushalt der Zellen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um Leber-, Nieren- oder Hirnzellen handelt. Diese befallene Zelle stirbt ab, nachdem sie vorher noch ihre Nachbarzellen in Mitleidenschaft zieht. Damit beginnt ein unheimlicher Kreislauf. Wie das Leben mit einer Zelle beginnt, beginnt in diesem Fall auch das Sterben.   

Wie hoch ist denn die Latenzzeit des eingebauten Cäsiums?

Das hängt davon ab, wer das Cäsium aufnimmt. Kinder sind mehr gefährdet, weil sich ihre Zellen pausenlos teilen. Weil sie wachsen, benötigen sie dauernd Energie und müssen dauernd mit der Schädigung ihrer Zellen zurechtkommen. Erwachsene, die weniger Zellenteilungen insgesamt haben, weil ihre Organe schon ausgewachsen sind, sind zunächst nicht so schlimm gefährdet. Bei Kindern treten die bösartigen Erkrankungen demnach schneller auf – bereits nach einem bis vier Jahren, wie wir von Tschernobyl wissen. Bei Erwachsenen beträgt die Latenzzeit 20 bis 25 Jahre.

(Die Erkrankungen durch Cäsium sind Leukämie und alle Krebsarten, die bei Kindern früh, bei Erwachsenen ab 20 Jahren des Ereignisses auftreten [web01]. Dabei kommen auch sehr seltene Krebsarten schon bei Kindern vor. Knochenmark muss transplantiert werden, Knochenmarkspender müssen gefunden werden,  die Betroffenen sind wenig belastbar und brauchen viele Erholungsaufenthalte, und die Erbschädigungen werden über viele Generationen [unendlich] weitervererbt [web03]).

Das heißt, dass jetzt, 25 Jahre nach Tschernobyl jene Menschen schwer erkranken, die damals der so genannten Niedrigverstrahlung ausgesetzt waren?

Ja, so ist es. Die damaligen Erwachsenen haben 25 Jahre überlebt und werden jetzt krank. Wir sprechen vom leisen Sterben. Die damaligen Kinder sind schon viel früher erkrankt – oft mit tödlichem Ausgang.

Was bedeutet das für die Fortpflanzung der Menschen?

Das Cäsium ist auch in den Vererbungszellen vorhanden. Prekär ist, dass sich das Cäsium auch in den Ovarien und den Eizellen der Frau einnistet. Weil sich diese nicht erneuern, sind sie zeitlebens geschädigt. Auch wenn sich beim Mann die Spermien erneuern, geben auch sie die Information der Schädigung bei der Befruchtung weiter. Entweder, es können gar keine Kinder mehr gezeugt werden, oder aber sie bekommen durch Vater und Mutter Fehlinformationen in der Zukunft. Das Ergebnis kann man sich gar nicht ausmalen. Die Verantwortlichen in Japan hätten schon längst Frauen und Kinder in den Süden des Landes bringen müssen. Weshalb sie das nicht taten, ist aus meiner Sicht völlig unverständlich. Es wird massig Leukämien geben. Diese Cäsiumwolke ist eine Katastrophe für die Japaner, und von allen anderen Radionukliden wissen wir noch gar nichts.

(Und viele japanische Kinder werden Missbildungen haben, wie rund um Tschernobyl in Weissrussland [web02]).

Gehört hat man auch von Jod und Strontium. [Radiojod in der Schilddrüse und viel Schilddrüsenkrebs]

Damit ist das Radiojod gemeint, das ganz unterschiedlich auf die aktive Schilddrüse der Kinder wirkt. Weil die Kinder wachsen, nehmen deren Schilddrüsen viel mehr Radiojod auf als die der Erwachsenen. Erfahrungen aus Tschernobyl haben gezeigt, dass die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern sprunghaft ansteigen wird. Darauf müssen sich die Japaner leider einstellen.

(Die Atombombenabwürfe in Japan und der radioaktive Regen ("Fallout") nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl liessen z.B. die Rate von Schilddrüsenkrebs um ein Vielfaches ansteigen [web04]).

Und Strontium? [Strontium ist ähnlich dem Calcium - Knochenstörungen und Zahnstörungen und Störung des Knochenmarks]

Das ist auch ein verteufeltes Radionuklid, das dem Calcium ähnlich ist. Der Körper kann nicht zwischen beiden unterscheiden. Wenn es angeboten wird, nimmt es der Mensch über die Nahrungskette auf. Es wird in die Knochen und Zähne eingebaut, strahlt dort und trifft auf das Knochenmark, wo die blutbildenden Organe sitzen: Die Stammzellen, aus denen die roten und weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten entstehen. Diese Zellen werden durch das Strontium geschädigt, und zwar ein Leben lang, denn das Strontium bleibt, wo es ist und strahlt mit kurzer Beta-Strahlung.


[Die Strahlung von Strontium und Cäsium dauert insgesamt 400 Jahre]

Gibt es Angaben, wann ein Umfeld um einen geschädigten Reaktor herum wieder als gereinigt angesehen werden kann?

Halbwertzeit heißt ja nur, dass die Hälfte der Strahlung weg ist. Man muss jede Halbwertzeit mit zehn multiplizieren, um eine Vorstellung zu haben, wann dieses Radioisotop weg ist aus der biologischen Umgebung. Das wären bei Strontium und Cäsium rund 400 Jahre. Das heißt, es [das Strontium] ist als Niedrigstrahlung vorhanden in allem, was biologisch irgendwie vorstellbar ist. Natürlich auch im Grundwasser.

(Strontium - ähnlich Calcium - schädigt alle Knochen und das Knochenmark und die Bildung der Blutkörperchen und provoziert so die Leukämie [web05]).

Wie muss ich mir das Leben in den verseuchten Gebieten vorstellen? [Im verseuchten Gebiet herrscht der Krebstod, Herzschwäche und Organversagen - "Tschernobyl-Aids"]

Das Leben? Es wird vor allem gestorben. Es wird still gestorben. Hauptsächlich am Krebs. Es wird gestorben an allen Krankheiten, bei denen das Strontium eine Rolle spielt. So ist zum Beispiel der Herzmuskel befallen, dessen Energie nicht mehr funktioniert. Wir haben Untersuchungen aus Weißrussland, die belegen, dass bereits Kinder im Alter von zwei, drei, vier Jahren an akuter Herzschwäche sterben. Es muss gar nicht immer Krebs sein. Die Menschen sterben an Nierenversagen, Leberversagen und sämtlichen Blutbildproblematiken. Diese sind auch unter dem Begriff Tschernobyl-Aids bekannt - mit chancenlosem Ausgang.

Gibt es am Ende eine gesellschaftliche Akzeptanz, mit dem Unglück zu leben? [Tod durch akute Herzschwäche und Schlaganfall ab der Jugend]

Ja, scheinbar ist es so. Ich fahre jetzt seit 20 Jahren in regelmäßigen Abständen in die Gegend um Tschernobyl, aber die Menschen wollen noch immer nicht über das Unglück und ihre Zukunft reden. Sie leben in Demut und mit dem Tod. Es gibt keine Familie, die nicht mit einem solchen Todesfall konfrontiert ist. Junge Menschen, auch ganz junge, haben Krankheiten, wie wir sie nur von Alten kennen. Dort gibt es junge Leute, die gehen aus dem Haus und fallen tot um. Gestorben an akuter Herzschwäche. Ein Schlaganfall mit 20, 25, 30 ist keine Seltenheit.

[Lungenkrebs durch Plutonium nach einer eventuellen Explosion eines Kernreaktors]

Über Plutonium haben wir noch gar nicht gesprochen, das austreten könnte, wenn es explosionsartig doch noch zu einem Super-GAU kommt.

Wenn einer der Reaktoren tatsächlich explodieren sollte, dann kommt es zu einer Katastrophe, an die ich noch gar nicht denken möchte. Plutonium ist das größte Gift auf dieser Welt. Die Hälfte der Brennstäbe in diesen Reaktoren soll ja plutoniumhaltig sein. Auch wenn man nur ganz wenig von diesem Plutonium aufnimmt, entwickelt sich ein Lungen-Karzinom. Dagegen kann sich der Körper nicht wehren. Er ist dann auch nicht mehr heilbar. Hunderttausende könnte daran zu Grunde gehen.

Mit Dörte Siedentopf sprach Peter Poprawa>

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Quellen
[web01] http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/644870/caesium-traegt-radioaktivitaet-viele-koerperzellen.html
[web02] http://www.bag-tschernobyl.net/informationen/archiv/230-hilfe-fuer-die-kinder-von-tschernobyl.html
[web03] http://www.wir-im-nassauer-land.de/?p=4825
[web04] http://de.wikipedia.org/wiki/Schilddrüsenkrebs (2011)
[web05] http://www.blick.ch/news/ausland/japan/tod-strahlenkrankheit-und-krebs-168638

Fotoquellen

[1] Atomkraftwerk Gösgen: http://de.wikipedia.org/wiki/Atomausstieg
[2] Sebastiano Venneri mit Mikro: http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/31649945
[3] Giftmüll-Frachter Cusky: http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Atommuell-am-Traumstrand-14043408
[4] Urananreicherungsanlage Gronau: http://www.n-tv.de/politik/Uran-im-Urin-article694113.html
[5] Tsunami in Japan März 2011: http://www.n-tv.de/
[6] Explosion in Reaktor 3 des Atomkraftwerks von Fukushima:
http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/spezial/Reaktorblock-3-in-Fukushima-explodiert-article2832936.html
[7] Karte des Erdbebens in Japan vom März 2011: https://mylogicoftruth.wordpress.com/tag/nuclear-power-station-core-meltdown/
[8] Das Selbstmord-Atomkraftwerk von Fukushima direkt am Meer: https://mylogicoftruth.wordpress.com/tag/nuclear-power-station-core-meltdown/
[9] Tsunami in Sendai, Flughafen Sendai mit Tsunami: http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article12775135/Wie-der-Tsunami-auf-die-japanische-Kueste-traf.html
[10] AKW Fukushima mit 2 explodierten Meilern 17.3.2011:
http://www.welt.de/wissenschaft/article12850209/Warum-wir-bereits-einen-Super-GAU-haben.html
[11] AKW Fukushima Block 3 mit weissem Rauch: http://www.welt.de/wissenschaft/article12850209/Warum-wir-bereits-einen-Super-GAU-haben.html



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